Fulda nach Böbingen an der Rems 2

Weiter geht's:

14.5.17

Mainkling nach

Hüttenhof bzw. Hütten

19 km

Und wieder ging es bei strahlendem Sonnenschein weiter Richtung Rosenberg, dem Ort wo Sieger Köder (wir erinnern uns, der kreative Pfarrer) lange gelebt, gepredigt und gemalt hat. Es wird zum Glück wieder katholisch, anhand eines Sühnekreuzes mitten auf der Wiese zu erkennen und so gerate ich an einem künstlerischen Maibaum vorbei nach Rosenberg und zur Kirche.

Sieger Köder ist 2015 verstorben. Es gibt hier ein Sieger Köder Museum, welches ich später auch noch aufsuchte, aber erst mal war die Kirche dran, die von außen schlicht aussah, aber wahre Schätze beherbergte, nämlich den großen Flügelaltar, von Sieger Köder kreiert. Er war selber ehemals auch Jakobspilger gewesen, deshalb sieht man auch immer wieder einen Pilger und die Jakobsmuschel. Tolle und sehr farbenfrohe Bilder. An diesem heutigen Tage bin ich kaum vorwärts gekommen, da ich einfach nur am reden mit verschiedenen Menschen war, toll. Kurz vor Rosenberg kam ich mit einem älteren Herren übers Pilgern ins Gespräch, in der Kirche mit einer Gruppe Frauen, die sich die Bilder anschauten, im Museum dann mit den Museumsführern, die mir noch eine Postkarte vom gesichtslosen Mönch schenkten und wenig später auf dem Hohenberg dann mit einer Frau, mit der ich mir einiges zusammen anschaute. Mein Herz ist weit offen und wir reden lange. Ich genoss das sehr. Ein schöner Tag.

Wallfahrtsort St. Jakobuskirche auf dem Hohenberg

Blick runter zur Schwäbischen Alb

Der Weg hoch zur Jakobuskirche auf dem Hohenberg, ein Wallfahrtsort (570m) war anstrengend, aber schön. Mit tollem Blick in den Süden und ganz weit hinten kann man schon die schwäbische Alb sehen. Das Wetter ist ein Dramamix aus Sonne und Wolken und ich verbringe eine geraume Zeit hier oben.

Fenster von Sieger Köder kreiert.

Hier gibt es auch unheimlich viel von Sieger Köder, sogar das ganze Pfarrhaus ist bemalt und auch die Pilgerunterkunft ist ganz im Sinne von Sieger Köder gestaltet. Toll ist das.

Die Kirche ist eher schlicht gehalten aber mit tollen Sieger Köder Fenstern. Ich verbringe noch eine Weile auf der Bank vor der Pilgerherberge, da es zu pieseln anfängt, und mache Pause. Keiner da, aber die Tür ist offen und es gibt einen tollen Stempel.

Da ist er, der gesichtslose Mönch, der auf der Friedhofsmauer sitzt und nicht in die Weite Richtung Alb, sondern Richtung Friedhof schaut. Unheimlich sieht er aus. Die beiden aus dem Museum haben mir die Karte mit eben diesem Mönch geschenkt mit dem Spruch:

Da steht auf der Mauer 

die stille Gestalt,

vom Leben zum Sterben, 

zum Bild wird sie bald.

Die Saiten zersprungen, 

zu Ende das Lied,

zu Ende, was immer geschah 

und geschieht.

War er, ist sie, wird es dann sein,

noch mehr als ein Name 

und mehr als ein Stein?

Wo ist jetzt 

was einmal Gedanken gedacht,

geträumt und geliebt 

und geweint und gelacht?

Und wo, 

was gebetet in finsterer Schlucht,

den Herren und Hirten 

des Lebens gesucht?

Glaube, glaube, 

im Nichts ist es nicht,

die Heimat der Seele 

ist droben im Licht!

Ich lasse den einsamen Benediktinermönch auf der Mauer sitzen und mache mich an den Abstieg Richtung Hüttenhof. Was für ein toller Tag heute, viel wunderbares gesehen, tolle Gespräche mit den Menschen geführt und dann noch der tolle Blick zur Alb, die ich ja dann auch eines Tages überwandern werden. Das sollte tatsächlich schneller geschehen als gedacht, aber auch das ist eine andere Geschichte…

Da sitzt er und schaut Richtung Friedhof. Ich schaue nach vorne Richtung Alb, denn das ist mein Weg

Über saftige Wiesen geht es nach Hüttenhof, wieder ein Matratzenlager, diesmal auf einem Campingplatz.

Auch Jesus steht da ganz alleine auf weiter Flur. Ist oft so, leider...

Kaum angekommen fängt es aus Kübeln an zu gießen. Glück gehabt! Der Besitzer nimmt mir 10 Euro ab und 2 Euro für die Dusche und ich gehe hoch in den Raum, stehe da und kann's nicht glauben. Was soll das denn? Ein staubiger leerer Raum mit ein paar ollen Matratzen. Schon frech, finde ich. Nun ich klaube mir was zusammen und gehe erst mal duschen. Als ich zurück kam stellte ich fest, dass ich mir meine Statt mit diversen Wespen teilen musste. Also ich kann ja viel ab und habe wenig Ansprüche, aber das ging nun gar nicht. Ich griff zu meinem Handy und schaute, ob es in der Umgebung nicht noch was anderes gibt und nach einigem Suchen wurde ich fündig und packte meine Sachen. Unten habe ich noch was im Campingrestaurant gegessen, was eher mäßig war. Ich brauche nicht zu sagen, dass ich die einzige war, die da aß. Ich holte mir mein Geld zurück und machte mich abends wieder auf den Weg. Was für ein Scheiß!

Noch einen Kilometer über Wiesen, dann kam ich im kleinen Ort Hütten an, was wirklich nur aus ein paar Hütten bestand. Aber: am Ende wurde alles gut nach dem Ärger. Ich bekam ein nettes Zimmer ganz für mich und schön ausgestattet mit richtigen Betten und Sofa und saß noch eine Weile nebenan im Wohnzimmer mit einem  tschechischem Monteur bei einem Bier und laberte. Draußen war die Sonne untergegangen und der Waldkauz rief bei aufsteigendem Nebel seinen charakteristischen Ruf. Schön!

Am Ende wird alles gut, und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es auch noch nicht das Ende. Oscar Wilde

15.5.17

Hütten nach Hohenstadt

19 km

Zum Glück hatte ich was zu essen dabei, so konnte ich lecker frühstücken und ne Kaffeemaschine gab's auch. Der Monteur war schon weg und so machte ich mich wenig später auch auf den Weg zurück zum Hüttenhof, den ich unbeachtet neben mir ließ und weiter nach Himmelreich, was für ein schöner Name. Es war bewölkt heute, aber angenehm warm, später klarte es dann total auf und wurde sehr warm. 

Über sanfte Hügel mit saftigen Wiesen kam ich im Wald an eine Wegvariante, die normale oder die über Wöllstein, eine Wallfahrtskapelle. Ich entschied mich die Variante zu gehen und gelang tiefer in den Wald hinein, an der blinden Rot entlang, warum auch immer die so heißt. Überall Wolfsmilchgewächse in quietschgrün und der duftende feuchte Wald, schön.

An der blinden Rot entlang

Aus dem Wald rauskommend gelange ich auf eine Hochebene immer mit Blick auf die Alb, der ich nun immer näher komme. Weiter geht's bergab nach Pommertsweiler und mit einem kurzen Blick und Stempel in der Kirche über die sanften Hügel Richtung Vorderbüchelberg. Hier mache ich mal Pause und warte einfach mal bis die Sonne rauskommt, die sich zuvor wieder verzogen hatte, denn es ist einfach nur wunderschön hier, Allgäu-Charakter. Überall blüht der Löwenzahn und der Hahnenfuß und weit hinten zurückblickend kann ich die St. Jakobus vom Hohenberg erkennen, wo ich gestern gewesen bin. Und endlich kommt die Sonne raus und macht alles gleich nochmal viel farbenfroher.

Oben auf der Ebene in Vorderbüchelberg

Es geht einen spannenden kleinen Trampelpfad durch den Wald genannt "Alter Schulweg" und ums Eck kommend sehe ich schon die große Kirche auf dem Berg von Hohenstadt. Oh oh, da muss ich noch hin, das sieht hoch aus. 

Nun denn, erst mal zur Jakobuskapelle, ein kleines süßes Kapellchen oberhalb von Wöllstein im Kochertal. Auf der Kapellenwand, welch' Überraschung, ein Bild von Sieger Köder, das Hühnerwunder. Schön. Und ich will die Tür öffnen, zu! Das kann jetzt echt nicht wahr sein. Da gehe ich extra diese Variante und dann das. Ich sehe an einer Schautafel auf diverse Telefonnummern die man anrufen kann, was ich dann auch mache und so kommt tatsächlich eine nette Frau angefahren, die mir die Kirche aufmacht und mir noch einiges erzählt. Süß ist sie von innen und einen schönen Stempel gibt es auch.

Wallfahrtskapelle Wöllstein mit dem Hühnerwunder, gemalt von Sieger Köder

Die Frau teilt mir dann noch eine Wegvariante nach Hohenstadt mit, die ich dann auch nehme. Diese Variante entpuppte sich als schmaler, steiler Weg den Berg hoch mit der ein oder anderen Abenteuerlichkeit aufgrund umgestürzter Bäume, um dann am Ende wieder auf einem Plateau anzukommen, über die Wiese gehend, nochmals heavy bergauf und da stehe ich in Hohenstadt. Das Schild sagt 499 m, aha, schön. Die Kirche ist eine helle und hübsche und ich fühle mich unheimlich kernig. War schon ganz schön bergig heute, aber ein toller Weg. Ich freue mich dass ich diese Variante gewählt habe.

Ein spannender, anstrengender Weg den Berg hoch. Aber oben wartet die tolle Kirche von Hohenberg auf mich, 499 m, dahinter das Schloss

Der Hammer kommt dann noch, ich habe eine ganze Wohnung für mich alleine und eine Kaffeemaschine und einen Föhn, wie geil. Es gibt hier auch ein Schloss in dem tatsächlich noch Adelige wohnen, die Adelmanns (na besser als die Schullemanns) Abends konnte ich bei der Wärme glatt noch draußen sitzen, es gesellten sich noch zwei Herren dazu und so tranken wir gemeinsam ein Schulle (Bier auf berlinerisch).

Morgen ist nun mein letzter Tag, ich werde doch tatsächlich in Böbingen einreiten. Wer hätte das gedacht? Ich hatte da ab Rothenburg Zweifel wegen meines Beines, welches sich doch aber tatsächlich wieder komplett erholt hat, keine Probleme, als ob nie was gewesen wäre. Hmm! Ich bin es ja gewohnt, dass es mal hier und mal da zuppelt, dann mal ein bissel Knie oder Hüfte, später dann auch Schulter. Alles verschwindet dann auch wieder, aber das mit dem Fuß war schon grenzwertig, fand ich. Nun, jetzt ist alles weg.

16.5.17

Hohenstadt

nach Böbingen an der Rems

19 km

Früh morgens ging ich los, damit ich genug Zeit heute habe, denn nachher geht ja mein Zug nach Hause. Ich konnte mir das ja selber einteilen, da ich mir selber Frühstück machte, das ist dann immer ganz gut, dann ist man unabhängig. Bei strahlendem Sonnenschein verließ ich Hohenstadt, ging an Feldern vorbei, teilweise ist schon die erste Heuernte im Gange. Der Kirchturm ist noch lange sichtbar, bis auch er verschwindet und ich vor der ersten Stehle stehe mit den Worten:

Der Weg ist das Ziel, wie wahr. Hier beginnt ein spiritueller Weg bis Heuchlingen mit diverse Stehlen mit weisen Sprüchen, schön, ich freue mich.

Ganz klein kann man noch die Turmspitze sehen. Und hier zwei der Stehlen mit weisen Sprüchen auf dem Weg nach Heuchlingen

Kurze Zeit später komme ich an der Jakobskapelle in Klotzhöfe an, die von ehemaligen Jakobspilgern errichtet wurde. Das haben die echt toll gemacht, ein Ort zum verweilen und natürlich einem schönen Stempel. Eine kleine Kapelle mit einem großen hölzernen Jakobspilger in der Mitte und an der Wand der Weg von hier aus nach Santiago, gemalt. Schön.

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt, sagt die nächste Stehle. Ein spannender Weg zum in sich gehen. Nach der letzten Stehle: Begegnung ist Leben (stimmt, davon hatte ich auch einige), komme ich auf einen schmalen geraden Asphaltweg, in dem eine eingravierte Muschel steckt. Toll ist das, was für eine schöner letzter Tag.

Die Sonne kracht, ich habe genug Zeit, die Landschaft ist schön und spirituell, das ist doch mal was. Noch einen Hügel und ich stehe auf dem Limeskamm mit Blick runter nach Böbingen und in die noch entfernte schwäbische Alb. Auf der Wiese blühen etliche Wiesenblumen, die Grillen zirpen was das Zeug hält und wir haben bestimmt 25 Grad, Sommergefühl. Es ist einfach nur unendlich schön. Ich stehe auf dem Kamm, ein wehmütiges Gefühl macht sich breit und am liebsten würde ich einfach weiterwandern, kenn' ich ja schon. Aber alles hat mal ein Ende und so sind es noch 2 km den Berg runter.

Danke, dass ich das alles erleben durfte, danke an meinen Körper, der dann doch so gut mitgemacht hat (ich habe überhaupt keine Fußprobleme mehr), an alle Menschen, denen ich begegnet bin und mit denen ich tolle Gespräche geführt habe und an dieses wunderbare Land.

Salbei, Margerite, Bocksbart , die Wiese ist voll mit ihnen.

In Böbingen angekommen suche ich die Ortsmitte, möchte dort in die Kirche gehen zum Abschlussgebet, aber nichts da. Böbingen hat keine Ortsmitte, teilt mir eine Dame mit. Böbingen besteht aus zwei Teilen, die von der Bundesstraße und den Bahngleisen, die hier mittendurch gehen, geteilt werden. Wie blöd ist das denn? Ich gehe nochmal zurück zur katholischen Kirche auf dem Berg, die ist zwar offen, hat aber keinen Stempel. Auch suche ich ein Motiv für mein Abschlussfoto, schwer. Ich latsche den Weg zurück zum Römerkastell, vielleicht ist das was. Aber es gibt nur ne abgebrochene Mauer, doof. Ich spreche eine Frau an. Sie nimmt mich mit zur "Altstadt", dort steht eine evangelische Kirche, süß, aber zu, klar. Also kannste alles abhaken. Ich habe den ganzen Ort durchlaufen, nichts. Also lasse ich mir einen Stempel im Frische Eck geben, wo ich mir halb am verdursten was zu trinken hole. Nun, der ist auch ganz schön und so verabschiede ich mich und sage, dass wir uns wiedersehen, zum Anfangsstempel der nächsten Tour. Wie gesagt, es sollte schneller soweit sein als gedacht, aber das ist eine andere Geschichte, die soll ein anders Mal erzählt werden.

Ziemlich k.o. ob der vielen Rennerei in Böbingen und dem Frust, dass der so schöne Tag so blöd wurde ging ich über die Eisenbahnbrücke, machte dort mein Abschlussfoto, Bahn, Haus mit Alb im Hintergrund, was besseres hat dieser Ort leider nicht zu bieten. Auf meiner Zugfahrt hatte ich viel Zeit in mich zu gehen. Tiefenentspannt kam ich zu Hause in meiner kleinen Höhle an und machte dort meine beiden Kerzen an, war ja in Böbingen nicht möglich bzw. hatte ich auch keinen Nerv mehr dazu. Schön war es gewesen.

Dann also bis zum nächsten Mal...

Du Gott des Lebens

Segne uns mit dem Vertrauen

dass du uns begleitest 

auf unserem Weg.

Im Durst zur Quelle

Im Dunkel zum Licht

Im Tod zum Leben

Amen