Saint Jean Pied de Port nach León 3

Nach dem shoppen im hiesigen Supermercado, der ziemlich weit entfernt vom Dorfzentrum, welches auch nicht so richtig auszumachen ist, liegt, geht’s zur Pizzeria. Ein Pärchen setzt sich an den Nachbartisch. Wir kommen ins Gespräch, Franzosen, die leider auch nur ihre Sprache sprechen, somit wird es für mich schwieriger, aber es geht. Große Erfahrungen können wir jetzt nicht austauschen. Bin ich froh, dass hier Multikulti unterwegs ist und ich nicht nur französisch reden muss, somit ist das zusammen sein und quatschen mit anderen Menschen doch ein ganz anderes und erfüllender, finde ich. Die Pizza ist fantastisch und ich rolle fast von der Terrasse, die Mediation habe ich aber verpasst. Kann man nichts machen.

Morgen soll es wieder früh losgehen, es soll wieder heiß werden und überhaupt erhoffe ich mir dann weniger Leute. Leider  muss ich feststellen, dass das amerikanische Pärchen mit dem Ich-bin-sehr-präsent-Typ in meinem Zimmer nächtigen. Er kommt mir gerade entgegen und ruft jemanden zu, dass es doch jetzt irgendein doofes Fußballspiel im Fernsehen gibt, Manchester gegen irgendwen, das muss er sehen. Nun denn.

Leider kommt er, als wir schon schlafend in der Koje liegen, laut brüllend um 22 Uhr ins Zimmer. Ich schrecke hoch und kriege eine Vollkriese, was soll das denn? "Shut up, we are sleeping!" Das findet er doof und mault rum. Also es gibt schon krasse Leute. Wie kann man so rücksichtslos sein? Nun, morgen früh bin ich dann am Start, habe aber alles schon gepackt, weil ich eben keinen wecken will. So unterschiedlich ist das. Was für ein totaler Vollidiot, ich hoffe ich werde den alsbald los.

 

29.5.2022

Castrojeriz nach Frómista

26 km

Mein Wecker klingelt schrill um 5.30 Uhr. Oh nee, da muss ein anderer Klingelton her, da ist ja jeder wach. Ich höre Gemurmel seitens des Vollidioten. Nun, ob du jetzt wach bist ist mir egal, Pappnase. Schnell krame ich meine Sachen zusammen und packe draußen alles in den Rucksack und mache mich fertig. Es ist schon das ein oder andere geschäftige Treiben am Start. Oh man, da sollte ich zügig losgehen. Frühstücken werde ich dann später irgendwo. Der blöde Ami kommt nun auch aus dem Zimmer und guckt mich böse an, wir sagen kein Wort, besser is. 

Ich trete aus der Türe und gehe nun die Treppe zum Jakobsweg hoch. Es ist noch dunkel und die gelben Leuchten der Straßenlaternen geben ein schönes Licht ab. Ich bin alleine und der Wind ist lau, schön. Lange 26 km liegen heute vor mir, somit ist das frühe Losgehen sicher eine gute Sache. Sogleich geht es relativ steil bergauf. Die Sonne macht sich mit schönen Orangetönen bereit aufzugehen. Ich blicke zurück ins Tal, wie wunderschön das alles ist.

Schnaufend oben angekommen geht es eben weiter, eine kleine Schutzhütte lasse ich links liegen. Ich drehe mich um und sehe nun die Sonne aufgehen. Im hellen Licht ist der kleine Berg von Castrojeriz gut zu erkennen, witzig sieht das aus so mitten in der platten Patchwork-Landschaft. Und auf der anderen Seite des Tafelberges, die sogenannte Alto de Mostelares, reicht der Blick weit in die Ebene. Grüne, braune, gelbe Flächen sind zu erkennen. Und dann ist da noch ein kreischrotes Mohnfeld. Die Sonne kommt über den Berg rüber und beleuchtet eben dieses, es ist einfach nur großartig. Was bin ich froh nun hier im Frühling unterwegs zu sein, denn ich habe von der Meseta eigentlich immer nur Wüstensteppen-Fotos gesehen. Aber nein, das ist keine Steppe, es ist voll mit Quietsch-und Kreischfarben, wenn ihr wisst was ich meine. 

Kalt ist es hier oben, ein frischer Wind weht mir um die Ohren. Nachdem ich mich satt gesehen habe geht's runter ins Tal und natürlich an diesem Mohnfeld vorbei, an dem ich mit einem deutschen Pärchen, die ich überholt habe, halt mache. Zeit für Fotos, klar! Maika im Mohnfeld, schön! Der Weg schlängelt sich durch die Landschaft und man kann schon erkennen wie die nächsten 10 Kilometer aussehen werden, spannend ist das alles, finde ich. 

Weiter geht es nach Itero de la Vega. Kurz davor kommen wir aus der Provinz Burgos in die nächste Provinz, Palencia, aha! In Itero, welches mit nettem Mauerbild begrüßt und auch verabschiedet, angekommen steuere ich geradewegs auf das erste Café zu, wie die meisten anderen auch. Ich sitze an einem kleinen Tischchen mit meinem Café americano und beobachte die anderen Pilger. Ich würde gerne auch quatschen, aber um mich rum sind nur Franzosen und Spanier, das ist dann doch nicht so meins. Der Herr neben mir scheint auch eher wortkarg zu sein, doof! Ja man gewöhnt sich doch daran nicht alleine irgendwo in Cafés zu hocken, da ist das jetzt hier nicht so der Hit, nun denn. 

Es wird langsam echt warm und die Meseta spendet so gut wie gar keinen Schatten. Aufi aufi!

Nach anfänglicher Straße geht es nun auf einem gut angelegten breiten Schotterweg weiter. Mein einziger Begleiter momentan ist mein eigener Schatten, der echt nach Pilger aussieht mit dem Hut. Weit vorne und auch weit hinter mir sind weitere Pilger auszumachen. Ich genieße es hier jetzt so langzugehen und komme wieder an eines der tollen kastillanischen Pilgersteine vorbei, nur noch 424 Kilometer, ich werde also die 400 knacken, toll! 

Das Land ist platt, die Erde neben mir rötlich, im Hintergrund sind kleine Hügel zu erkennen, die Kegelberge. Nun vielleicht kann ich da abseits der Strecke Pause machen, ein kleines Wäldchen lädt dazu ein. An riesigen Wassersprenger-Anlagen, die Gott sei Dank an sind und eine kühle Gischt hinüber wehen, geht es vorbei. Ein kleiner Regenbogen bildet sich im Wasser. Uh, schön erfrischend ist das. Sogleich ist aber auch alles wieder abgetrocknet.

Was bin ich froh über meine Trinkblase. Nach anfänglichen Sorgen, ob das Wasser hier aus dem Hahn trinkbar ist, habe ich das über Bord geworfen und nehme jeden Brunnen mit, der sich am Wegesrand zeigt. Leider ist das Wasser oft wenig schmackhaft, es schmeckt nach Chlor, aber was soll man machen? Jedes Mal shoppen gehen habe ich auch keine Lust und man gewöhnt sich ja an vieles. Also meine Trinkblase leistet mir gute Hilfe und so kann ich einfach im Gehen trinken ohne den Rucksack abzusetzen. Und was noch toll ist, ich mache morgens schönes kaltes Wasser rein und habe sie direkt in meinem kleinen Rucksack am Rücken, das kühlt zusätzlich auch noch schön. 

Teilweise hat die Gerste schon die grüne Farbe verloren, das geht schnell, sie wird auch als erstes geerntet werden. Der Weizen ist noch schön grün, na und der Roggen ebenfalls. Somit entstehen lauter tolle Farben, hat doch was. Ich komme am Canal de Pisuerga vorbei, einer der vielen Bewässerungskanäle in der Meseta, die hier im Norden vom drittlängsten Fluss der iberischen Halbinsel, dem Duero, bewässert wird. Nun endlich an den Kegelbergen mit dem kleinen Wäldchen angekommen ist Pause angesagt. Ich packe mich zwischen die Kiefern auf meinen Sarong und esse genüsslich alle meine Klassiker. Von weitem kann ich nun die Pilger den Weg entlanggehen sehen, aber sie sehen mich nicht. 

Nach einer ausgiebigen Pause geht es weiter Richtung Frómista, ein langer Weg ist das heute. In Boadilla del Camino geht es zickzack durch den Ort, hier und da sind wieder Storchennester zu sehen, der ganze Kirchturm ist voll mit ihnen, denen geht es hier richtig gut. Schwärme von Schwalben fliegen um die Kirche und schreien munter vor sich hin. Die Kirche ist leider zu und so gehe ich aus dem Ort wieder hinaus. Eine kleine Gruppe Deutscher inklusive Sebastian, den ich aus Hornillos kenne, kommt mir entgegen, suchen eine Bar. Er fragt mich ob ich mitkommen möchte. Reden wäre nicht schlecht, aber ich entscheide mich dagegen, habe noch einen langen Weg vor mir und so gehe weiter, bin aber auch wieder echt pausenbedürftig. Ich will aber nicht im Café sitzen und der Weg selbst gibt nicht viel her. 

Dann biegt er jedoch rechts ab und landet direkt am Kanal von Kastilien. Er wurde ehemals im 19. Jahrhundert gebaut und war eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte seiner Zeit in Spanien. Er sollte den Getreidetransport von Kastilien in die Hafenstädte der Nordküste vereinfachen und die landwirtschaftlich genutzten Flächen der Region Tierra de Campos bewässern, was er heute immer noch macht. Für mich ist es einfach wunderbar, denn statt links biege ich rechts ab und packe mich 100 Meter weiter direkt am Kanal in den Schatten eines Baumes. Puh, ich bin k.o. und die Füße brauchen auch wieder Luft. Eine fröhliche Horde Stieglitze kämpft um die besten Plätze auf einem Busch unweit von mir entfernt, das ist ja toll, die sieht man ja auch selten. Sie sind so schön bunt und schnattern was das Zeug hält. 

Nun geht es bis nach Frómista an eben diesem Kanal entlang. Und es kommt tatsächlich ein Boot mit diversen Leuten angefahren, die mal sehen wollen, wie es auf dem Jakobsweg so aussieht. Aha, kann man auch machen. Ich gehe schnurstracks den Kanal hinunter. Ab und an gibt es Baumschatten, das tut gut. Aber ich muss dringend pieschern. Das ist mitunter für Frauen nicht so ganz einfach auf dem Weg, weil einfach doch einige Leute unterwegs sind, na und in der Meseta halt einfach nur Fläche und Landschaft. Ich schaue mich um, da ist ein Baum, die nächsten brauchen noch eine Weile, bis sie an mir vorbeikommen, es muss schnell gehen. Ab hinter den Baum und fertig. Weiter geht’s. 

Ich habe das Gefühl von Plattfüßen, bin ich froh, wenn ich ankomme heute.  Kurz vor der Stadt überquert man an der Esclusa Cuádruple del Canal de Castilla, der Schleuse des Kanals, ebendiesen. Toll sieht das aus mit den Steinwänden und dem einschießenden Wasser aus den Seiten. Highlight. 

Ein Schild mit der schicken Kirche von Frómista zeigt an, dass ich nun angekommen bin. Durch die ein oder andere Straße wander ich durch bis ins Zentrum, einen kleinen Platz mit Cafés und Bars und einem großen Schriftzug mit: Frómista. Die Iglesia de San Martín steht anbei und sieht wirklich klasse aus und hat, ich würde mal sagen, arabische Einflüsse, die werde ich später noch mal aufsuchen. Nach einem Kaffee und ein paar Mentos suche ich nun meine Herberge auf, auch hier werde ich ein Zimmer für mich haben, habe jetzt erst mal genug von Mehrbettzimmern. Ich werde von der netten Hoteldame begrüßt, hinter mir kommt noch ein Deutscher mit rein, er heißt Joachim. Wir schnacken etwas, dann geht jeder in sein Zimmer. Ich habe unten das Zimmer mit einer Terrasse mit Tisch und Stühlen, das ist ja großartig. Es ist schön kühl und die Dusche klasse, Zeit für Siesta

Gut erfrischt und wiederhergestellt gehe ich nachmittags rüber zu der gegenüberliegenden Iglesia de San Pedro, welche aus schönen sandfarbenen großen Quadern gebaut ist. Innen ist es kühl und dunkel, die Einrichtung weniger prunkvoll als in den Kirchen von Burgos, aber sehr nett und einladend. Eine schöne Pietá befindet sich rechterhand und ich setze mich zum Gebet in die Bankreihen. Der Herr am Eingang gibt mir einen schönen Stempel in mein Credencial.

Und weiter geht’s rüber zur San Martín, die mit ihren beiden schlanken Türmen und dem achteckigen Vierungsturm wirklich beeindruckend aussieht. Sie stammt aus dem 11. Jahrhundert und ist eine der ersten romanischen Kirchen Spaniens. Steht da mitten auf einem Platz ganz alleine. Die Kapitelle und Skulpturen außen und innen sind wirklich herausragend mit viel Filigranarbeit verarbeitet, wirklich schön und sehr gut erhalten. Innen ist sie eher schlicht gehalten. Ein Herr am Eingang gibt mir einen weiteren tollen Stempel, ich verweile. 

Nun wird es Zeit was Essbares aufzutreiben und vielleicht jemanden zum quatschen. Viel gibt es hier aber nicht und weit laufen will ich auch nicht. Somit bleibe ich hier an dem Plätzchen, setze mich draußen mit einem Bier hin, schreibe und warte auf meine Pizza. Neben mir setzt sich ein Herr, wohl auch Pilger, an den Nachbartisch. Wo er wohl herkommt? Wir sitzen da beide so und keiner sagt was. Ich denke, vielleicht ist er Franzose und ich habe gerade keine Lust auf Französisch reden. Eine Frau kommt in die Bar, bestellt sich einen Wein und setzt sich alleine an einen Tisch unter dem gegenüberliegenden Zeltdach. Sie sieht auch etwas einsam und ratlos aus. Wo sie wohl herkommt? 

Wenig später bemerken der Herr neben mir und ich dann aber, dass wir beide deutsch reden. Er heißt Andreas und kommt aus der Nähe von Zürich. Wie schön. Er bestellt sich auch eine Pizza und so sitzen wir hier gemeinsam, essen und quatschen. Das finde ich großartig, war ich doch etwas befrustet, dass ich keinen hier getroffen habe. Joachim aus meinem Hotel und auch Sebastian, den ich vorhin in Boadilla del Camino traf, sind verschollen. Andreas und ich erfreuen uns an der gegenseitigen Gesellschaft und verabschieden uns wenig später. Vielleicht sieht man sich wieder. 

Mittlerweile habe ich auch wieder Infos von Martina bekommen, die immer noch unterwegs ist mit ihrem schlimmen Fuß. Sie hat Andreas auch schon mal kennengelernt, der sie wohl einholte und fragte, ob er ihr irgendwie helfen kann. Auch hatte ihr ein Pilger mal eine Massage angeboten, man kümmert sich doch umeinander, das finde ich schön. Sie ist heute in Itero de la Vega untergekommen, macht jetzt kürzere Strecken. Ich hoffe, dass wir uns noch mal wiedersehen. Nun warten wir’s ab.

Ich gehe zum Hotel zurück, fühle mich ein bissel schlapp, mein Hals kratzt etwas. Da wird doch nicht was aufkommen? Hier bei der Hitze? Nee, wird schon gut gehen, dachte ich. Nun denn…

 

30.5.2022

Frómista nach

Carrión de los Condes

20 km

Heute gibt es eine Variante, die werde ich nehmen, das ist klar. Der Hauptweg geht an der Straße entlang, nee lass mal! Die Variante ist nur unwesentlich länger. 

Um 7 Uhr sitze ich am Frühstückstisch mit einer Menge Franzosen im Hintergrund. Sie schnattern wild am Nebentisch drauflos. Nichts für mich. Nebenan setzt sich ein finnisches Pärchen hin. Sie werden heute starten, sind gestern hier angekommen und wollen ihren Pilgerweg vom letzten Jahr fortsetzen. Wir können uns schön auf Englisch unterhalten, das ist wunderbar. Alsbald mache ich mich aber auf, und verlasse den Ort über die A 67, die Autobahn mit Null Verkehr, sieht man auch nicht alle Tage :-)

Ein Herr kommt mit dazu, ich dachte erst es wäre Andreas und quatsche einfach drauf los. Er schaut mich etwas verwundert an, bis ich feststelle, nee, er heißt Roberto und kommt aus Basel, kennt Andreas aber auch. Wie peinlich! Die Welt ist klein und auf dem Pilgerweg allemal. Er ist schneller als ich und so lasse ich ihn ziehen. Wenig später werde ich aber von Andreas eingeholt und wir biegen gemeinsam in die Variante ab, die wunderbar im Schatten großer Bäume an einem Fließ entlang läuft. Wenig später kommt Inken dazu, eine Deutsche, die alleine auf dem Camino unterwegs ist. Ihr Freund ist den Weg schon mal gegangen und meinte wohl zu ihr, sie solle es auch mal versuchen, was sie dann ja auch getan hat.

Nun sind wir zu dritt unterwegs und erreichen wenig später bei Villovieco eine Kirche, die sogar geöffnet hat. Sie steht da so mitten in der Landschaft. Ein Herr sitzt am Eingang und verteilt Stempel. Innen ist sie eher moderner gehalten. Wir verweilen nur kurz und ziehen weiter gen Villalcázar de Sirga, was für ein Name. 

Hier kommen wir wieder auf den eigentlichen Jakobsweg und direkt in ein Café. Mit leckeren warmen Bocadillos und tollen Kaffees machen wir es uns gemütlich. Wir sind nun eine nette Dreiertruppe, das ist wunderbar. Ich schaue schon wieder, ob wir nicht wieder eine Variante gehen können, denn der Weg geht nun weiter an der Straße entlang. Das ist hier auf dem Camino Francés oft so geregelt. Zwar sind es gut ausgebaute Wege, aber Straße ist nun mal Straße, das ist nicht so toll. Na und da die liebe Maika ja die Komoot App und einen tolleren Weg gefunden hat, gehen wir dann gemeinsam eben einen unbekannten Nebenweg, den auch nur wir alleine gehen. Alle anderen nehmen die Straße.

Wir kommen an einem Denkmal vor einer Herberge vorbei, dessen ehemaliger Herbergsvater Pablo Payo hier verewigt an einem Eisentisch im Pilgeroutfit sitzt. Da müssen wir einfach ein Foto machen. Das ist Kult. 

Ich leite uns drei also links, rechts und quer durch den Ort. Nach anfänglicher Skepsis der beiden, ob ich denn wirklich den Weg kenne, klar, habe alles im Griff, wandern wir nun alleine auf dem schönen Nebenweg durch die platte Meseta. Links die Gerste, rechts gibt’s Sonnenblumen, die noch recht klein sind und ein rötlicher Sandweg führt schnurgerade hindurch nach Carrión de los Condes. Mohn, Kamille und Glockenblumen wachsen am Wegesrand, schön ist es hier und still. In einiger Entfernung können wir die anderen Pilger an der Straße entlang gehen sehen. Aber wir haben es hier schöner, jo!

Leider fühle ich mich ziemlich schlapp, scheine mir doch eine Erkältung zugezogen zu haben. Doof ist das, das hatte ich noch gar nicht auf meinen Jakobswegen gehabt. Nun, ist immer das erste Mal. Aber die Begleitung lenkt mich ab und so schreiten wir strammen Schrittes in den Ort. 

Jeder sucht seine Herberge auf. Inken und ich sind in der gleichen Herberge untergekommen, beide in Einzelzimmern. Andreas wohnt etwas weiter weg in einem Hotel. Mein Rucksack steht schon im Flur, ich packe ihn, werfe ihn über die Schulter und gehe in mein kleines Zimmer. Klein aber fein und was ganz toll ist: Es gibt eine kleine Badewanne. Wie geil ist das denn? Ich fühle mich mittlerweile elend und lasse mir Wasser ein, genieße das heiße Bad mit netter Mediationsmusik im Hintergrund. Anschließend noch Siesta in meinem Bett, ich schlafe fast ein. Ooh man, was ist los mit mir? Ich hoffe das geht bald vorbei und wird nicht schlimmer. Ich denke mir noch, da ist bestimmt die Tante aus dem Zimmer in Castrojeriz schuld, die so rumgehustet hat. Nun, was soll man machen? Ist jetzt so, hoffen und beten. 

Wir treffen uns am Nachmittag auf ein Bier draußen auf dem Plaza Mayor in einem Café, Essen ist noch nicht angesagt, hier gibt es nichts. Einkaufen ist auch noch nicht aktuell, denn es ist vor 17 Uhr, tote Hose. Wir schlendern noch ein bissel durch den eigentlich netten Ort. Leider ist die hiesige Santa María geschlossen und öffnet auch nach 17 Uhr nicht, was ja einige Kirchen, wie die beiden von gestern, dann ja doch mitunter machen. Es gibt einen tollen Pilgerladen und ich konnte Inken vom Vorteil einer Trinkblase überzeugen, die sie sich jetzt holt, schön!

Pünktlich um 17 Uhr geht es zum Einkauf in den hiesigen Supermercado, denn morgen betreten wir, wie der Herr meines Wanderführers so schön sagt, die Pilgerautobahn. Oh oh! Es geht lange 18 Kilometer ohne irgendwas zum einkehren oder überhaupt eine Kurve nach Calzadilla de la Cueza. Ich bin schon sehr gespannt, ist ja doch mal was anderes. Und es wird viel darüber geredet. Man soll genug zu trinken und zu essen dabei haben. Es gibt keinen Schatten, gefährlich und so weiter. Also wird fleißig eingekauft für morgen.

Wir gehen dann rüber zu Andreas‘ Hotel und treffen dort auf Joachim, den ich ja gestern in Frómista im Hotel schon kurz getroffen hatte. Wir warten noch etwas im Innenhof des kleinen Hotels, die Mägen fangen schon an zu knurren, bis das Restaurant nebenan aufmacht. Es stehen schon ein paar Leute davor und warten eingelassen zu werden. Ja Pilger sind hungrig und die späte Essenszeit in Spanien macht das nicht besser. Die Tür wird geöffnet und wir stürmen das Restaurant und haben einen netten Tisch nun zu viert. Das ist toll. Es gibt wieder Pilgermenüs in den bekannten drei Varianten, welche aber sehr lecker und reichhaltig sind, dazu den obligatorischen Rotwein und eine Karaffe Wasser. Neben uns haben die beiden Finnen Platz genommen, die nun ihren ersten Wandertag hinter sich haben. Es ist ordentlich voll geworden, lauter hungrige Pilger quatschen fröhlich drauf los. Zum Nachtisch gibt es den tollen spanischen Flan, den Karamelpudding, den ich so liebe, mmh, lecker! Meine Nacht wird eine eher unruhige, Halsschmerzen haben sich breit gemacht und meine Birne ist alles andere als fit. Die Nase ist dicht und ich fühle mich echt schlapp. Nun, morgen ist wieder ein langer Tag, ich hoffe es geht mir dann besser. 

 

31.5.2022

Carrión de los Condes

nach Ledigos

24 km

Ich wache auf und merke, okay, es hat mich nun doch richtig erwischt und es wird nicht besser. Auch beten hat da nicht geholfen, isso! Der Hals schmerzt so stark, dass ich das Schlucken besser sein lasse. Inken hatte mir gestern schon ein paar Halstabletten geschenkt, das fand ich ja nett. Nun, mit Halstablette im Schlund und Minirucksack auf den Schultern geht es früh durch das noch dunkle Carrión de los Condes. Ich stehe auf dem Plaza Mayor, keine Menschenseele zu sehen. Die gelben Laternen leuchten mir den Weg runter zum Fluss mit dem originellen Namen Carrión. An einem Kloster und über den Kreisverkehr mit nettem Pilgerdenkmal in der Mitte führt der Weg nun an einer leeren Straße entlang. 

Im Hintergrund macht die Sonne sich bereit aufzugehen. Nebelschwaden hängen über den Feldern und machen das ganze Bild mystisch. Ein einzelner Vogel ist zu hören, die ein oder andere Grille ist aufgewacht, ansonsten ist es ruhig. In der Ferne kann ich zwei Pilger erkennen, die nebeneinander hergehen. Ich stapfe gedankenversunken mit dem Thema "Dankbarkeit" den Schotterweg entlang. Wofür bin ich alles dankbar?

Oh, da gibt es vieles. Es ist erstaunlich, dass ich mich in der dunkelsten Zeit diesen Jahres vor ein Blatt Papier gesetzt habe und aufschrieb wofür ich in dieser Zeit dankbar bin. Und ich wollte es kaum glauben, aber mir ist unheimlich viel eingefallen. Die kleinsten Dinge werden zu wunderbaren großen, für die ich dankbar bin. Als alles sich zum besseren gewandelt hatte, habe ich mich noch mal vor ein Blatt Papier gesetzt und meine Dankbarkeit aufgeschrieben. Ja und was soll ich sagen? Mir ist nicht so viel eingefallen wie zuvor. So nehmen wir in dunklen Zeiten die kleinsten Dinge intensiver wahr. 

Ich höre die Steine unter meinen Füßen knirschen, das Klackern der Wanderstöcke. Ein kühler Wind fegt mir um die Ohren, so dass ich mich doch besser entscheide die Mütze aufzusetzen. Schon erstaunlich, was ich an Temperaturen hier alles so erlebe. Zum Glück bleibt der Regen weiter aus oder kommt nachts runter, wenn er denn kommt, das erfreut das Pilgerherz, meines jedenfalls.

Nach einer Weile kommt ein großer Findling in Sicht, auf dem geschrieben steht: Via Aquitania, Burgos – Astorga, tramo del camino de Santiago, con su trazano original, der Abschnitt des Caminos auf seiner ursprünglichen Route, also die von damals. Nun das ist ja mal spannend. Mit Überquerung einer weiteren Provinzstraße folgt nun ein breiter schnurgerader Schotterweg in die endlosen Weiten der Meseta. Ab und zu stehen Bäume am Wegesrand, große Pfützen zeugen vom nächtlichen Regen.  Wie mein Wanderführer so schön sagt, die Pilgerautobahn. So so. Ich setzte Kopfhörer auf und höre Musik und sinniere weiterhin über das Thema Dankbarkeit. 

Nach einer Weile steht ein klappriger Stuhl am Wegesrand, mit den Worten: Comida, bebida, caliente o fría, Essen, Trinken, heiß oder kalt. Es kommt ein Foodtruck in Sicht. Es gibt ein paar Stühle, Tische und Getränke. Na da hat der Typ vom Outdoorführer aber ein Gedöns drum gemacht, von wegen es gibt nichts und man soll ganz viel von allem mitnehmen. Es sitzen auch schon einige Pilger dort. Nichts für mich, ich gehe weiter meinen Weg. Irgendwann heißt es aber auch für mich Pause machen, da kommt ein kleiner Wohnwagen in Sicht. Ein Picknickplatz mit Schutzhütte und eben dieser Wohnwagen. Ein junger Mann wuselt darin herum und es gibt Kaffee. Das ist ja wunderbar. Hier ist kaum was los und so nehme ich mir einen Donativo café (auf Spendenbasis) setze mich an den Tisch und esse mein eigens kreiertes Bocadillo. Ja trotz des vielen Angebots auf dem Camino bleibe ich meinen Essgewohnheiten doch meistens treu und esse irgendwo im Grünen. Entspannt hocke ich hier und wer kommt da ums Eck? Andreas. Das ist ja schön. Er setzt sich zu mir und wir essen nun gemeinsam und schnacken dabei. Auch brechen wir gemeinsam auf und laufen die Via Aquitania weiter. Inken wird nicht nachkommen, da sie nur begrenzt Zeit hat und sich entschieden hat den Bus von Carrión de los Condes nach Sahagún zu nehmen. Auch hat sie mächtige Blasen an den Füßen, die brauchten wohl auch etwas Ruhe. Sie wird aber ihren Weg fortsetzen und auch in Santiago ankommen.

Wir gehen den Unendliche-Weiten-Weg entlang, links und rechts die Felder, verblühter Raps, Weizen und Sonnenblumen. Es gibt einige von den großen gelben Riesenfencheln in allem Blühvarianten, toll sieht das aus. 

Hier viel zu bewundern ist der Riesenfenchel in allen Varianten: halb zu, weiter offen und aufgeblüht, auch die wilde Malve ist zugegen

Aus dem nichts kommt plötzlich Calzadilla de la Cueza in Sicht, ein paar Häuserdächer mitten im Nirwana. Die kommen aber gelegen, denn die Füße fühlen sich platt an. Wir erreichen den wirklich kleinen unscheinbaren Ort. Direkt am Eingang befindet sich eine Herberge, die mit Musik von Bob Marley die Pilger begrüßt. Oh, das finde ich ja schön. Andreas und ich bestellen uns einen Kaffee und setzen uns an einen der Tische. Er wird heute hier bleiben, hatte hier ein Hotel gebucht, ich werde bis Ledigos weitergehen. Es ist noch früh am Tage, ich habe noch Zeit. Ich fühle mich zwar nicht so berauschend, aber noch geht es alles. Wir sitzen hier eine Weile gemeinsam, dann verabschieden wir uns und werden uns hoffentlich in Sahagún morgen wiedersehen. Ein Schild mit einem blauen Pilger teilt mir nun mit, dass ich die 400er-Marke unterschritten habe. 

Es ist nun wirklich nicht mehr weit nach Santiago. Ich durchschreite den kleinen Ort. Es wird etwas hügeliger, der Weg schmaler und steiniger, geht aber nun neben einer kleinen Straße entlang. Mittlerweile haben sich die Pilger auch wieder gehäuft und wandern schnatternd in kleinen Gruppen den Camino entlang. Gute 6 km sind es noch bis Ledigos und es ist warm geworden, der Planet brennt. 

Ich schleppe mich schwitzend und schnaufend die Hügel hoch und bin echt im Eimer. Nach einer Stunde brauche ich nochmal eine Pause. Ich finde einen kleinen Seitenweg, schlage mich in die Büsche, die tatsächlich aus diverse Lavendel und Ginster bestehen. Hübsch sieht das alles aus, aber ich brauche einen Baum mit Schatten. Diese sind wenig vorhanden, aber eine kleine krüppelige Eiche bringt es dann doch. So lege mich inmitten von pieksigen Gestrüpp in den Schatten und verschnaufe. Puh, ich bin wirklich nicht fit, die Erkältung macht mir doch ganz schön zu schaffen, das merke ich nun. 

Nach einer langen Erholungszeit breche ich zum Endspurt auf und erreiche über einen kleinen Hügel kommend Ledigos. Hoch oben auf einem Berg ist die rote Kirche von weitem schon zu erkennen. Nun, ist wahrscheinlich geschlossen, aber auch wenn sie auf wäre, ich bin heute zu nichts mehr zu bewegen.

Ich gehe durch den Ort und komme an der Albergue La Morena an. Nett ist es hier, eine kleine, ruhige Sackgasse. Es gibt eine schöne Terrasse, auf der es sich schon diverse Menschen gemütlich gemacht haben und gemeinsam essen, Mittagszeit. Joachim kommt mir entgegen, das ist ja nett und fragt mich, ob ich mitessen möchte, aber ich möchte jetzt erst mal einfach in mein Zimmer und mich aufs Bett packen. Zum Glück habe ich wieder ein Einzelzimmer mit einem schönen großen Bett und den Blick raus ins Grüne. Mir geht es echt mies und mir ist kalt, obwohl es gar ich kalt ist, hmm! Nach der Dusche wird es auch nicht besser und ich liege hier zweifelnd auf meinem Bett. Wie soll es weitergehen? 

Da gebe ich immer diverse Ratschläge, wie achtsam man doch sein soll oder ob es, wie im Falle von Martina, nicht besser wäre die Tour abzubrechen und nun sitze ich hier selber mit dem Problem. So kann es jedenfalls nicht weitergehen. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Ich werde einfach morgen früh schauen, wie es mir geht. Der Weg nach Sahagún ist nicht ganz so weit, den könnte ich doch schaffen. Von dort aus hatte ich mich ursprünglich entschieden die Via Romana zu gehen, das ist eine Variante, die sicher auch schöner ist, da der eigentliche Weg kontinuierlich an einer Straße entlang geht. Ich finde das teilweise ein bissel einfallslos, muss ich sagen. Nun, wenn es denn der historische Weg ist, okay, kann ich verstehen, aber ich komme ja nun aus Frankreich und da hat man sich bezüglich des Weges doch einiges mehr ausgedacht, muss ich sagen. Da waren die Wege wirklich sehr schön gewesen. Klar teilweise auch abenteuerlich, immer bergig, aber halt nicht endlos an Straßen entlang. 

Die Entfernung von Sahagún in den nächsten Ort Reliegos sind aber 27 km, die werde ich in meinem jetzigen Zustand nicht schaffen. Hin und hergeworfen entscheide ich mich nun erstmal für eine ausgiebige Wäsche. Im schönen Innenhof der Herberge sitze ich auf einer Bank, neben mir die Französin, mit der ich mir die Waschmaschine teile und warte. Ich habe da einfach alles rein gefeuert, es muss mal richtig sauber werden. Danach ist der Trockner dran, das geht schneller und da ich nun auch immer wieder am frösteln bin, selbst in der Sonne, braucht es schnell die warme Klamotte. Warm aus dem Trockner kommend ziehe ich meine Sachen sogleich an, oh, das tut gut. Ich setze mich alsbald mit sämtlichen Klamotten auf dem Leib aufgrund meines Fröstelns auf die Terrasse und bestelle mir ein Bier, manchmal hilft das ja auch und es geht einem dann besser. Joachim hält nun mittlerweile von mir Abstand und meint: Vielleicht habe ich ja Corona. Ach quatsch, nee, das habe ich bestimmt nicht. Aber es verunsichert mich doch und sein Abstandhalten ist nicht schön, man fühlt sich so abgelehnt. Da nun mittlerweile auch Husten dazugekommen ist, kann ich ihn aber auch verstehen. 

Wenig später kommen ganz überraschend Bev und Dee, die beiden englischen Schwestern, die ich in meiner ersten Herberge in Saint Jean Pied de Port kennengelernt habe, ums Eck. Es ist doch erstaunlich, dass man sich immer wieder begegnet, wir haben uns aber lange nicht gesehen. Wir freuen uns, fallen uns in die Arme und schnacken, tauschen uns über Erlebtes aus. Dee geht es auch nicht so gut, ist auch am rumschniefen und fühlt sich schlapp, hmm, komisch. Wenig später kommt noch Sebastian humpelnd dazu. Was ist los? Nun, sein Schienbein tut seit zwei Tagen höllisch weh und er kann kaum laufen. Klar, da kommt die liebe Maika wieder mit der "Achtsamkeit mit sich selbst" ins Spiel. Er solle doch mal eine Pause einlegen und überhaupt den schweren Rucksack, der auch echt schwer aussieht, abgeben. Aber nein, Pause ist er am überlegen, aber den Rucksack abgeben, das geht gegen seine Pilgerehre. Hä? Verstehe ich nicht. Und dann zusammenklappen und beim Arzt landen ist ehrenhaft? Nun jeder muss selber wissen was er tut. Ich hörte von einer Frau, die unbedingt mit anderen Pilgern mithalten wollte und deren Pilgerweg im Krankenhaus von León endete. Na toll. Es gibt die schlimmsten Blasen, die sich entzünden, sogar Ermüdungsbrüche, schlimme Gelenke aller Art. Einige schleppen sich hier ganz schön durch die Gegend. Nun Sebastian wird seinen Weg gehen, ob er jemals in Santiago angekommen ist, weiß ich nicht. Jeder geht seinen eigenen Camino. 

Nach und nach entledige ich mich meiner Klamotte, mir wird wieder warm, wie schön. Mit dem zweiten Bier fühle ich mich schon viel besser und fitter, komisch. Ich fühle mich wohl im Kreise meiner Mitpilger. Das Pilgermenü gibt es aber leider drinnen im Restaurant und da Dee und ich beide nicht fit sind, entscheiden wir zusammen mit Bev einen Tisch zu nehmen und zu essen. Wir wollen ja auch keinen anstecken. Es gibt wieder ein Menü in Varianten, diesmal gar nicht so klassisch. Bev bestellt Fisch und bekommt Sardinen. Ihrem Gesicht ist anzusehen, dass sie echt geschockt ist, sie hat was ganz anderes erwartet und Fische mit Flossen und Köppen, das geht gar nicht. Kurzerhand gebe ich ihr mein Huhn und nehme ihre Sardinen, der Abend ist für sie gerettet und sie ist happy. Schön! Am Ende gibt es wieder Eis am Stiel. Der Wein ist lecker, das Essen auch, die Gesellschaft wunderbar, wie schön. Bev und Dee wollen auch die Via Romana gehen, was sie dann tatsächlich auch gemacht haben. Dee ging es im Verlauf dann wieder besser und sie sind auch später in Santiago angekommen. Wir bleiben im Kontakt. 

Nach vielem hin und her habe ich mich nun gegen die Via Romana entschieden. 27 Kilometer sind mir mit meinem Zustand doch zu weit und andere Möglichkeiten gibt es dort nicht. Ich sage ab. Morgen werde ich dann sehen, ob ich nach Sahagún laufe  oder eben auch mal ein Taxi nehme. Ich kann nur abwarten, mehr geht nicht.

Ich packe mich auch schon früh ins Bett, höre noch mein Hörbuch und schlafe dann auch ein. Morgen ist ein neuer Tag, da kann ich mir neue Gedanken machen. Hilft ja alles nichts, es ist wie es ist und soll vielleicht auch einfach so sein.

Buenas noches.

 

1.6.2022

Ledigos nach Sahagún

19 km

Es ist 6 Uhr morgens als ich aus Ledigos rausgehe und natürlich die Variante einschlage. Ich nehme so ziemlich jede Variante mit, die ich kriegen kann. Heute werde ich mir auch eigene Varianten aussuchen, die Meseta lässt das unproblematisch mit ihrer Ebene und mit vielen Wegen zu und meine Komoot App leitet mich hindurch. Mir geht es ganz gut heute Morgen und so entscheide ich mich den Weg zu pilgern und nicht das Taxi zu nehmen. Die Sonne geht hinter der auf dem Berg thronenden roten Kirche auf. Vor mir liegen sanfte Hügel, es geht an einem alten Taubenschlag vorbei. Lila Vogelwicke und vereinzelnde Mohnblumen säumen den Weg, auch  die zartrosa Hundsrose wächst hier in großen Büschen anbei. 

Die Felder erscheinen im Licht der aufgehenden Sonne satt Orange-ockerfarben. Schön sieht das aus. Man merkt, dass das satte Grün nach und nach dem trockenen Gelb weicht, welches ja dann später in der Meseta vorherrschen wird. Die ersten Felder sind schon abgeerntet und große Strohballen sind in der Ferne auszumachen. Mein Schatten ist mein einziger Begleiter, ich gehe einsam meiner Wege, die Sonne wärmt schön von hinten. Am Kilometerstein 391 treffe ich wieder auf den Hauptweg und laufe Bev und Dee in die Arme. Dee und ich teilen uns unser Befinden mit, ihr geht es immer noch nicht so gut, nun, mir ja auch nicht. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Wir gehen ein Stück zusammen, dann geht jeder wieder seinen eigenen Weg. Ich sollte sie nicht mehr wiedersehen, aber wie gesagt, wir sind in Kontakt und sie werden auch in Santiago ankommen. Ich biege scharf links ab, der Weg geht rechts weiter und wird im weiteren Verlauf wieder sehr unspannend an der heißgeliebten N120 entlangführen, na toll. Wo diese Straße wohl endet? Vielleicht auch in Santiago, wer weiß das schon. Ich nicht und ist mir auch egal.

Ich gehe nun über die Hügel der Meseta in absoluter Einsamkeit, denn es ist meine eigene persönliche Variante, die kein anderer kennt. Wenig später erkenne ich aber an einem Schild, dass der Jakobsweg hier auch mal in der Vergangenheit langgegangen sein muss. Nun, ab und an wird ja auch was geändert. Die größten und wichtigsten Änderungen sind sicher die Schotterwege abseits von Straßen geworden. Wenn ich mir den Pilgerbericht von Hape Kerkeling so anhöre, dann ist der mitunter direkt an vielbefahrenen Straßen, ich nehme mal an die blöde N120, langgegangen. Es hat hier viele Unfälle, auch tödliche gegeben. Da musste sich das Land was ausdenken, denn das ist nicht gut fürs Image, na und Scheiße ist es natürlich allemal. Auch das mit den Hunden, von dem er berichtet hat, dass es bissige Hunderudel geben soll, das habe ich hier auch nicht erlebt, da hatte ich eher in Frankreich mal das Thema gehabt. Die Beschilderung ist herausragend und die Sicherheit der Pilger auch gut gewährleistet, das muss ich mal sagen. Na und die Infrastruktur des Camino Francés ist natürlich einmalig, klar. Selbst auf dem Weg nach Calzadilla de la Cueza muss man nicht verhungern und verdursten. Ja auch das mit der Polizei, die da am Wegesrand steht und den Pilgern Hilfe und Getränke anbietet, das finde ich schon beeindruckend. 

Nun hier auf meiner Variante über die Mesetahügel gibt es nichts, nur mich, meinen Schatten, die zirpenden Grillen und die ein oder andere Feldlerche, die trällernd über die Felder fliegt. Eine liebliche Patchwork-Landschaft mit einem spannend schleierhaften Himmel erwartet mich. Das ist schön, wenngleich ich auch sagen muss, dass es auch langsam gut ist mit Meseta. Mir war nicht bewusst wie groß der Meseta-Abschnitt ist, aber er sollte noch bis nach León reichen. 

Ein leichter angenehmer Wind fegt mir um die Ohren. Die Einsamkeit, die ich hier auf dem Camino Francés oft vermisst habe, umgibt mich. Das komplett alleine hier entlangwandern ist einfach unheimlich toll und ich merke wie gut mir das tut. Nach einer Weile komme ich auf eine Bergkuppe mit Blick in die entfernt liegende Stadt Sahagún. Ich stehe hier so, keiner weit und breit. Ich packe mich zur Pause einfach mitten auf den Weg. Gedanken kreisen mir durch den Kopf. Ich werde bald ankommen an meinem diesjährigen Zielort: León

Was ist mit Gott? Wie ist es mit Gott weitergegangen? Habe ich mich wieder annähern können? Es ist nicht leicht für mich ohne Gott zu leben, mich gottverlassen zu fühlen, aber ja ich kann sagen, wir kommen uns wieder näher. Ich sitze hier so auf dem Weg, nehme einen Stein auf und schreibe mit meinem Kuli „Jesus“ darauf. Nun möchte ich auch  hier in Spanien meinen ersten Stein dalassen. Ein Stein, auf den ich einerseits all meine Lasten der vergangenen Zeit raufpacken und hierlassen möchte und andererseits mein wieder zu Gott und Jesus finden verewigen möchte. Ich sage wieder „Ja“ zu Gott und fange an zu weinen, es ist sehr emotional hier so zu sitzen und zu wissen: doch es gibt wieder Gott, Jesus und mich. Lange sitze ich in Gedanken und im Gebet versunken auf dem Weg, lege meinen Stein ab. Vielleicht, vielleicht kommt eines Tages doch ein Pilger hier vorbei und sieht mitten auf dem Weg einen Stein mit „Jesus“ drauf und es verändert sein Leben. Wer weiß das schon? Aber Jesus hat auch mein Leben verändert, auch wenn es zu diesem Bruch in diesem Jahr gekommen ist. Solche Brüche gibt es im Leben, aber eines ist immer sicher: Es geht immer weiter. Es bleibt nie immer dunkel oder wie ich immer so schön sage: Es wird nicht immer Karfreitag bleiben, Ostersonntag kommt bestimmt, denn…

...es war schon immer so! 

Ich esse mein Baguette mit Salchicha, die ordentlich scharf ist, sowas mag ich gerne. Ein paar Haribobananen runden das Ganze ab und ich mache mich wieder auf den Weg. Plötzlich kommt doch ein Pilger ums Eck, da hat wohl noch einer eine Wanderapp und wollte einen anderen Weg gehen. Wir grüßen uns, tauschen uns kurz aus und er geht wieder seiner Wege, ebenfalls ganz alleine. Nun kann ich von Varianten gar nicht genug bekommen. Ich sehe hinten weit weg an der Straße die Pilger laufen und biege links ab zur nächste Variante, die mich an einen kleinen Fluss führt. Auf meiner Wanderapp sah es nach einer Brücke aus, nun stehe ich aber vor dem Gewässer, mit Traktor könnte man da durch fahren, habe aber keinen. Dumm gelaufen. So muss ich also doch noch einen ordentlichen Umweg in Kauf nehmen, man kann nicht immer gewinnen. 

Mittlerweile ist es auch wieder ordentlich warm geworden und das Wasser meiner Trinkblase geht zur Neige. Ich komme wenig später auf den Jakobsweg und werde fast von einer Horde Pilger umgerannt, oh man. Ich warte und gehe dann alleine weiter und komme in Sahagún an. Was für ein eigenartiger Name, hört sich sehr arabisch an, ist es wohl auch. Provincia de León steht auf einem Schild. Nun bin ich also in meiner letzten diesjährigen Provinz angekommen, León ist nicht mehr weit. 

Ich schlängel mich durch die Stadt und komme im Hostel Vitoris an. Hmm, ist ein bissel abseits und ich stehe hier so im Raume, aber da kommt ein netter englisch sprechender Herr ums Eck und meint, dass ich noch etwas auf mein Zimmer warten muss, ist wohl noch nicht fertig, mein Rucksack sei aber schon da. Ich trinke einen Kaffee und warte. Joachim kommt ums Eck, oh was für ein Freude, er kommt auch hier unter und ja auch Andreas sollte tatsächlich später noch aufschlagen, wie schön. 

Mein kleines Zimmer ist nett mit großem Bett und kleiner Dusche. Ich bin k.o. und halte etwas Siesta, ist ja eine gute Sache. Ich habe mich heute recht gut gehalten, merke aber dass es im Laufe des Tages schlechter wird. Also meine Entscheidung morgen den Zug nach León zu nehmen und dann zwei Nächte dort zu verbringen und mich etwas auszukurieren halte ich für einzig richtig und kann mich damit nun auch gut arrangieren. Ist eben so. 

Andreas und ich verabreden uns nach der Siesta. Wir gehen an der Stierkampfarena vorbei über die Eisenbahnbrücke in die Altstadt hinein. Hier sind überall hohe Stahlzäune aufgebaut, so dass man kaum an der Straße entlang gehen kann. Was soll das denn? Nun wenig später bekommen wir durch ein Plakat mit Torero und Stier mit, dass hier alsbald die Stiere durchgejagt werden, die dann in der Stierkampfarena am Ende abgeschlachtet werden. Das gibt es also nicht nur in Pamplona, sondern auch hier, na toll. Ist ein Brechmittel, finde ich. Nun, heute gibt es keine Stiere, dafür aber schönes zu sehen, denn die Stadt hat einiges zu bieten. Zwei wunderschöne Backsteinkirchen im islamischen, maurischen Stil, dem  sogenannten Mudéjar-Stil. Sie wurden im 13. Jahrhundert erbaut. Diese würde man eher in Andalusien erwarten, wo ich sowas schon mal gesehen habe. Backsteinhäuser, ein altes Stadttor und die beiden Kirchen San Lorenzo und San Tirso prägen das Bild. Und dazugehörig gibt es diverse Storchennester mit Vater, Mutter und Kindern drinnen. Toll.

Wir suchen einen Supermercado auf, den wir dann in einen der einsamen Gassen auch finden. Shoppen ist angesagt, mir gelüstet es nach spanischen Orangen, die sind einfach der Hammer, na und das Sonderangebot von 2 für 1-Preis von Mentos-Kaubonbons kann ich auch nicht abschlagen. 

Gegen späteren Nachmittag treffen wir auf dem klassischen Plaza Mayor ein. Andreas und ich lachen viel über die ganzen Mayors. Plaza und Calle sind immer beieinander, überall und in jedem Ort. Mittlerweile ist der zuvor einsame Ort auch wieder zum Leben erwacht und als wir draußen in einem Restaurant sitzen, können wir so sichtig das spanische Nachmittagsleben genießen. Familien treffen sich zum Getränk, die Kinder spielen auf dem Platz und schreien laut rum, der ein oder andere Hund kommt des Weges, ein Fernseher im Hintergrund. Das ist so richtig schön und mit Andreas jetzt hier zu sitzen und unser Abschiedsessen einzunehmen allemal, denn wir werden uns hier heute verabschieden. Er wird morgen den Hauptweg weitergehen gen León und ich werde den Zug nehmen. So sei es. Was für ein schöner Abschluss hier. 

Das Essen ist lecker und vielseitig, der Wein ist gut und die Stimmung schön. Meine leicht dröge Birne lasse ich mal außen vor, ich will das jetzt hier genießen. Am Ende lädt er mich auch noch ein, das finde ich ja nett. War toll ihn kennengelernt zu haben und ja, er wird es bis Santiago schaffen und wir sind heute noch im Kontakt. Wir brechen nach dem Essen auf und gehen zur Herberge zurück. Dort treffen wir auf einen allein am Tisch im Restaurant sitzenden Joachim, der sich total freut, dass er nicht mehr alleine sein muss. Wir gehen einfach gemeinsam nach draußen, da können wir Abstand halten und nehmen noch einen Absacker zu uns. 

Andreas hält es mit dem Abstand nicht so, wird sich aber auch nicht bei mir anstecken, so wie alle anderen, denen ich noch begegnen werde, auch nicht. Denn in León wartet noch eine große Überraschung auf mich. Auch Joachim wird in Santiago ankommen, wird sich im weiteren Verlauf auch eher in Hotels und Pensionen aufhalten, da die Ansteckungsgefahr halt in Mehrbettzimmern groß ist, klar.

Wir schnacken noch ein wenig und ich mache mich auf in mein Zimmer, mittlerweile trieft meine Nase, es nervt nur noch. Nun, schlafen ist angesagt. Morgen werde ich also das erste Mal im Leben mit einem spanischen Zug fahren, ich bin schon sehr gespannt. 

 

2.6.2022

Sahagún nach León mit dem Zug

Früh morgens sitze ich mit Andreas am Frühstückstisch. Er geht früh los und ich muss auch früh zum Bahnhof, da leider später kein Zug mehr fährt. Mir geht es weiterhin nicht gut und meine Entscheidung hier nun meine Tour abzubrechen ist mehr als richtig, so fühlt es sich an. Wir umarmen und verabschieden uns. Ich wünsche ihm einen „buen camino“ und er macht sich auf den Weg weiter gen Santiago. Ein bissel neidisch bin ich schon, muss ich mal sagen. Aber c’est comme ça, es ist wie es ist, würde der Franzose jetzt sagen. 

Ich packe meine Sachen und mache mich auf zum Bahnhof. Verlassen steht er da, ein, zwei Pilger hatten den gleichen Gedanken und stehen da so. Hübsch sieht er aus, nettes Bahnhofsgebäude, sauber. Ich mache mein obligatorisches Bahnhofs-Abschiedsfoto und sitze wartend auf einer Bank. Die Sonne scheint und es ist von den Temperaturen her angenehm. Ein Pilger setzt sich mit dazu, es ist Matthias aus Deutschland. Wir kommen ins Schnacken. Ich halte etwas Abstand, habe auch meinen Mundschutz auf, da ich so langsam doch bedenken habe, ob es nicht doch Corona sein könnte. Irgendwie ist es für eine klassische Erklärung sehr ungewöhnlich, es sind Symptome, die ich normalerweise nicht so habe. Wir sitzen also mit Abstand nebeneinander und warten auf den Zug. 

Es dauert nur eine knappe Stunde, bis wir in León ankommen. Es geht einen Teil der eigentlichen Jakobswegstrecke entlang und ich muss unweigerlich an Andreas denken, der da jetzt lang pilgert. Das Zugfahren ist schön, die Landschaft drumrum weiterhin Meseta und etwas öde. Ich finde es mittlerweile nicht mehr so schlimm, dass ich jetzt hier nicht langlaufe, denn ehrlich gesagt, habe ich nun doch genug von der Meseta. So für fünf Tage ist das gut, aber jetzt über eine ganze Woche ist dann doch nicht so der Hit. Und wie gesagt, es geht auch hinter León noch damit weiter, bevor es kurz vor Astorga dann wieder hügeliger bzw. später dann auch richtig bergig wird. Es war auch mal ganz schön so im flachen zu laufen, habe doch mit meiner Durchquerung von der Schweiz und Frankreich nun einige anstrengende Berge hinter mich gelassen, aber nun ist auch gut. 

Ich bekomme eine Nachricht von Martina, die nun doch ihre Tour abbrechen wird, oh man, aber sowas habe ich mir schon gedacht. Sie wird heute nach Sahagún kommen und dann auch den Zug nach León nehmen. So traurig das auch ist, ich freue mich natürlich riesig sie noch einmal sehen zu können, dann eben in León. Aber für sie tut mir das wirklich leid, was für ein Shittenkram. 

Matthias und ich steigen gemeinsam am Endbahnhof aus. Es geht eine lange geschäftige Straße Richtung Altstadt. Mit Überquerung des Río Bernesga kommen wir in die Fußgängerzone und es wird ruhiger. 

Ich frage Matthias, ob wir noch einen Kaffee zusammen trinken wollen, was wir dann auch nahe der hier ebenfalls beeindruckenden, wenn auch etwas kleineren Kathedrale als die von Burgos, machen. Wir sitzen hier so draußen, schnacken etwas und ich höre plötzlich wie jemand meinen Namen ruft. Ich drehe mich um und wer kommt da auf mich zu? Sabine. Damit habe mich ja nun überhaupt ich gerechnet. Oben in den Pyrenäen kennengelernt, als wir gemeinsam mit Martina und Nina in Orisson gegessen haben, zwischendurch wieder verloren und wiedergetroffen, ist sie doch um einiges schneller als ich unterwegs gewesen. Aber scheinbar gab es zwischendurch auch eine Pause und nun, auch sie hatte keinen Bock auf Laufen und ist mit dem Bus nach León reingefahren. Der Weg in die Stadt rein ist wie bei Burgos auch nicht der Hit und so musste der Bus herhalten. Wir freuen uns und fallen uns in die Arme. Das mit dem Abstandhalten ist nicht ihr Thema, denn sie hatte sicher schon Corona gehabt, meinte sie. Sie hat ja schon einen langen Weg hinter sich, ist ehemals in Belfort losgelaufen, das liegt auf Basel-Höhe, ist quer durch Frankreich gepilgert und meinte, dass da alle mit den gleichen Symptomen am rumhusten waren. Somit denkt sie, hat sie es hinter sich. Ich bin da etwas vorsichtiger, will ja auch keinen anstecken, was auch immer ich habe. Was für eine Freude, so sind wir tatsächlich hier in León wieder alle zusammen gekommen: Martina, Sabine und ich. Wie schön! 

Die Kathedrale ist beeindruckend, die ist aber später dran, nun erstmal schauen, wo ich unterkomme

Wir verabreden uns für später, sie macht sich erst mal auf die Suche nach einer Albergue. Mein Hostel teilt mir leider mit, dass es erst um 15 Uhr öffnet, was? Das kann doch wohl nicht wahr sein, warum denn so spät? Außerdem ist es ziemlich ab vom Schuss, hatte halt überlegt nahe des Busbahnhofes zu nächtigen. Ich habe das dringende Bedürfnis mich hinlegen zu wollen, mir geht es nicht gut. Was tun? 

Matthias macht sich auf den Weg sich die Kathedrale anzuschauen und sein Hotel wenig später aufzusuchen. Er hat sich nach anfänglichen Horrorszenarien in Mehrbettzimmern entschieden in keinem mehr zu übernachten. Er erzählt, in der ersten Nacht ist einer vom obigen Bett gefallen, was mich auch nicht verwundert, denn oft fehlen die Randgitter und die Betten sind schmal. Dieser hatte sich schwer verletzt und ist im Krankenhaus gelandet, krass. Und in der zweiten Nacht ist wohl eine Pilgerin nachts im Dunkeln aufs Klo gegangen und volle Kanne gegen einen Eisenpfeiler gerannt, was blutüberströmt ebenfalls im Krankenhaus endete. Dass er dann keine Lust mehr auf Mehrbettzimmer-Abenteuer hat, kann ich mir vorstellen, das ist ja wirklich übel, was für eine Geschichte. 

Ich gehe in die Touriinfo, versuche was anders als meine Albergue zu bekommen und erhoffe mir Hilfe, aber die gibt mir nur einen Stadtplan und kreist mir die verschiedenen Albergues ein, telefonieren macht sie nicht. Somit ist nun wieder Booking.com gefragt, welches ich einige Male hier auf dem Weg auch verwendet habe. Es ist einfach ideal, wenn man dann gebucht hat und was ändern will, dass man nicht auf den Kosten sitzen bleibt. 

Auch bin ich mit der Buen Camino App unterwegs, die ich wärmstens empfehlen kann, denn hier sind alle Orte, Unterkünfte, Telefonnummern, Mails und Buchungsoptionen beinhaltet. Zuzüglich sind auch viele Informationen über die Ortschaften, die Monumente, den Weg mit darinnen, da kann der Outdoor-Führer einfach mal komplett nicht mithalten. Für den weiteren Weg ab León, hoffentlich im nächsten Jahr, werde ich mich auch auf die Buen Camino App fokussieren, denn die ist einfach um Längen besser. 

Ich finde ein Herberge, sage meine ab und freue mich, ich kann um 13.30 Uhr rein. Ist jetzt auch nicht toll, da wir es noch sehr früh haben, aber immerhin besser. Ich muss mich aber jetzt irgendwo hinlegen. Ich irre ein bissel in der Stadt rum und entscheide mich für die Grünanlagen am Fluss. Dort ist es schön ruhig, ich packe meinen Sarong raus, ziehe die Schuhe aus und liege da einfach so auf dem Rasen rum, oh das tut gut. Mir geht es echt scheiße und mich nervt das alles echt, muss das mit der Erkältung oder Corona oder was auch immer das ist, denn jetzt sein? Ach was soll ich mich grämen, ich kann jetzt hier liegen, es ist angenehm warm, die Vögel singen und ich habe genug zu essen und zu trinken dabei. 

Gegen 13 Uhr mache ich mich dann auf den Weg zu meiner Herberge. Ich werde ja nun zwei Nächte hier verbringen, ist auch gar nicht so schlecht, León hat einiges zu bieten und sich etwas auszukurieren vor der sicher anstrengenden Rückfahrt nach Deutschland übermorgen, ist sicher auch eine gute Sache. 

Als ich aber in der Herberge ankomme, werde ich von lautem Baulärm begrüßt, ich bekomme eine Krise und bin den Tränen nahe. Auch wenn mir der Hospitalero sehr nett und verständnisvoll mitteilt, dass die Bauarbeiter  gleich Siesta machen, kann ich dem nicht viel abgewinnen. Ich will einfach nur noch schlafen. Er führt mich einen Stock höher in eine Zelle, anders kann ich es echt nicht nennen. Ein Minizimmer mit einem kleinen Fenster und Blick auf die gegenüberliegende graue Wand und eine Dusche, die in der Ecke im Zimmer selbst aufgestellt ist. Und von oben kommt der Baulärm mit Presslufthammer-Geräuschen. Ich sitze auf dem Bett und breche in Tränen aus. Ich bin einfach nur noch total fertig und schaue ein weiteres Mal in die Booking.com-App. Dort finde ich eine kleine Wohnung im Jüdischen Viertel. 

Nach einigem Hin-und Her buche ich sie, der Preis ist mir jetzt scheißegal, ich brauche Ruhe und ein Bett. Ich verabschiede mich also wieder von dem Hospitalero und gehe quer durch die Stadt an Kathedrale und dem klassischen Plaza Mayor vorbei. 

Der schöne Plaza Mayor von León lädt zum verweilen ein

In einer kleinen Seitenstraße treffe ich auf eine spanisch sprechende junge Frau, die mich durch das leicht unheimlich wirkende Viertel lotst. Am Ende kommen wir vor einer Türe an, eine steile Treppe führt in den zweiten Stock. Sie überlässt mir den Schlüssel und geht. Es ist ganz still, der Ausblick geht in die hübsche Gasse mit den charakteristischen Bauten hier in der Stadt. Die Stromkabel hängen kreuz und quer über der Gasse, die eine oder andere Wäscheleine hängt aus dem Fenster, kleine Balkönchen mit ein paar Blumen drauf, so richtig klassisch spanisch. Schmale Sträßchen mit kleinen Insiderbars und Cafés, hier und da beschmierte Wände, aufgestapelte Stühle, eine spanische Flagge weht im lauen Lüftchen, schnatternd kommt ein verliebtes Pärchen vorbeigelaufen. Nette Atmosphäre finde ich.

Einsame Gassen zur Siesta-Zeit im Jüdischen Viertel

Ein pinkfarbenes Wohnzimmer mit Sofa und Küchenzeile begrüßt mich, hinten sind zwei Schlafzimmer zum leisen Innenhof untergebracht. Ich bin so heilfroh nun hier meine Bude zu haben, das ist großartig. Leider ist das ein oder andere defekt, so richtig klasse ist es doch nicht und so kontaktiere ich die Dame nochmal die dann auch vorbeikommt und mir alles zeigt. Der Gasherd gibt nichts von sich, Kaffeekochen schien passé, die Dusche ist nur begrenzt schön und der Klodeckel wackelt. Und was ist mit WLAN? Naja für den Preis habe ich eben mehr erwartet. Zumindest geht dann doch eine Platte, somit steht dem Kaffeekochen nichts im Wege, muss nur welchen kaufen und auch der WLAN-Schlüssel ist nach einigem Suchen entdeckt. Nach der Dusche falle ich total erschöpft ins Koma. 

Nachdem ich mich erholt habe laufe ich durch die hübschen einsamen Gassen der Stadt. León ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz León und ist mit 124000 Einwohnern gar nicht mal so groß. Der Name soll sich vom lateinischen „legio“ ableiten, da die Römer hier wohl ehemals Truppenlager hatten. Irgendwie gab es hier in Spanien immer Probleme mit den Mauren. Ja ja, es gibt immer einen Grund sich zu kloppen, wie bescheuert. Aber león heiß auch „Löwe“ und damit ziert sich die Stadt gerne. Somit findet man, wenn man genauer hinschaut, überall Löwen. Nahe der Brücke befinden sich Steinlöwen, tolle Wandmalereien mit Löwen und plötzlich kommt da aus einem Gullideckel ein Löwe gekrochen, toll find ich das. 

Der große hübsche Plaza Mayor mit seinen tollen Bauten und den vielen Restaurants und Bars, die sicher später zum einkehren einladen werden, liegt verlassen da, nur ein paar Stühle sind besetzt, Sonnenschirme sind aufgestellt und der ein oder andere Kellner wartet auf Kundschaft. Ja man kann es drehen und wenden wie man will, aber zur Siestazeit ist eben nichts los, das sollte sich später ändern. 

Da es mir nach dem Schlaf wieder etwas besser geht schlendere ich durch die Straßen und schaue mir alles an, bevor wir alle uns wiedersehen. Um 17 Uhr wollen wir uns treffen. Sabine hat die öffentliche Herberge genommen und auch Martina ist in León eingetroffen und wohnt in einer anderen. Schlapp gehe ich durch die Gassen vor zur Kathedrale, die sich unweit meiner Wohnung befindet, das ist doch mal gut. Sie ist wirklich beeindruckend. Die gotische Kathedrale mit angrenzendem Klostergang stammt aus dem 13. Jahrhundert und besticht durch die vielen filigranen Arbeiten an der Außenfassade und vor allem den vielen noch aus damaliger Zeit erhaltenen großen Glasfenstern. Ich werde sie mir morgen anschauen, habe ja den ganzen Tag Zeit, das ist schön. Sie steht auf einem großen Platz, viele Menschen sind nun zugegen, die Stadt ist nach der Siesta zum Leben erwacht und einige Pilger sind nach ihrem langen Weg durch die Meseta eingetroffen. Auch hier gibt es einen großen Schriftzug mit „León“ drauf, welches ein beliebtes Fotomotiv ist und somit herhalten muss. Kurze Zeit später kommt Martina humpelnd ums Eck, ich freue mich total. Wir fallen uns trotz Ansteckungsgefahr in die Arme, sie möchte das so und ich habe auch Mundschutz auf, habe beschlossen das hier in der Stadt auch weiterhin so zu machen. Wir freuen uns total, setzen uns auf eine Bank und quatschen. Matthias habe ich auch mit zu unserer Gruppe eingeladen, er kommt ums Eck und wenig später kommt Sabine aus der Kathedrale, nun sind wir wieder vereint, was für eine große Überraschung und was für ein toller Abschluss, denn wir werden alle für zwei Nächte hierbleiben, Martina noch eine Nacht länger, denn ihr Flug geht erst später. Schade ist das für sie, dass sie nun abbrechen muss. Aber der Camino läuft ja nicht weg und es wird alles seinen Grund haben und wir können aus allem lernen fürs Leben. Vielleicht wird sie den Weg nächstes Jahr fortsetzten und ja wer weiß das schon? Vielleicht sehen wir uns dann wieder. Das wäre doch toll. Das gleiche mit Verena, die möchte ja auch nächstes Jahr weitergehen. Nun wir werden sehen, bis dahin kann noch viel passieren, läuft noch viel Wasser die Elbe runter. Oder wie sagt man das? Egal! Es kommt noch eine weitere Deutsche mit dazu, die Sabine auf dem Weg getroffen hat und mit der sie seit einigen Tagen schon unterwegs ist, deren Namen habe ich aber vergessen. Sie wird morgen weiterziehen. 

Wir gehen zusammen was Essen, sitzen da direkt mit Blick auf die Kathedrale draußen am Tisch. Es ist wirklich wieder köstlich, äußerst erheiternd. Wir sitzen da, bestellen Pizza und Bier und der Ober ist scheinbar maßlos überfordert, ich weiß auch nicht was mit den Spaniern los ist. Es ist auch nicht mal voll, nun denn. Es fehlen einfach die Messer oder das Salz lässt ewig auf sich warten. Irgendwann wedelt Sabine mit ihrer Serviette rum, um dem Kellner verständlich zu machen, dass er mal wieder was vergessen hat. Komische Leute sind das hier. Wir amüsieren uns, wie gesagt, köstlich und quatschen über unsere Erlebnisse auf dem Camino.

Nach dem Bezahlen, was auch echt eine Herausforderung für die Herren darstellt, geht dann jeder in seine Herberge zurück. Ich falle in der Wohnung angekommen erst mal aufs Sofa, puh bin ich im Eimer. Ich hoffe dass es mir morgen besser geht und auch der blöde Husten mal nachlässt, das ist doch in Zeiten von Corona peinlich, da schauen die Leute schnell mal, was mit der denn los ist. Auch ist mir aufgefallen, dass hier mehr Leute mit Maske rumlaufen als zuvor, die Zahlen sind wieder am steigen, und die Leute werden vorsichtiger. Hier in Spanien gibt es nur noch die Pflicht des Maskentragens in den Zügen, Bussen und Flugzeugen, sonst ist alles aufgehoben. Aber ich hörte, dass nebenan in Portugal die Zahlen dermaßen rasant steigen, dass die wieder überlegen neue Regularien auf den Tisch zu bringen. Oh man, hört denn das nie auf? Wir haben ja noch nicht mal Erkältungszeit, wie soll das im Winter werden? 

Nun ich bin sowas von glücklich jetzt hier meine Wohnung zu haben und nicht die Zelle der Herberge von vorhin, das kann man sich nicht vorstellen. Ich mache mich auch alsbald Hörbuch-hörend in mein schönes Bett im pinkfarbenen Schlafzimmer.

 

3.6.2022

Ein Tag in León

Pfingsten steht vor der Tür. Oder Pentecostés, wie der Spanier sagen würde, ist in Spanien aber kein Feiertag. Ist aber auch egal, es ist Wochenende und an Wochenenden tobt in den spanischen Städten bekanntlich der Bär, so auch hier. 

Ich sitze morgens La Traviata-Oper-hörend im Wohnzimmer und trinke meinen eigens auf der einzigen funktionierenden Herdplatte gekochten Instantkaffee. Ich genieße den Morgen, denn da geht es mir immer besser als im Laufe des Nachmittages. Die Nacht war eine gute und ich fühle mich relativ erholt und freue mich nun noch einen Tag hier mit meinen Lieben zu haben. Sabine schreibt mir eine What’s app. Eigentlich wollte sie ja weitergehen heute, hat sich aber nun für das Bleiben entschieden. Ich hatte ihr angeboten in das zweite Zimmer einzuziehen, dieses Angebot nimmt sie nun gerne an. In den öffentlichen Herbergen darf man generell nur eine Nacht bleiben. Sie kommt passend zum Frühstück. Da ich gestern einiges eingekauft habe, kann ich auch viel anbieten. Pan, queso, chorizo y café, alles mit dabei. Wir frühstücken zusammen, das ist schön. 

Gemeinsam gehen wir nun den Weg runter zur Kathedrale und trennen uns dann aber, denn ich gehe hinein und sie war gestern schon drinnen. Es kostet Eintritt, klar, das ist hier so in den großen Kirchen und Kathedralen. Aber es gibt auch einen schönen Abschlussstempel, das ist doch viel wert. 

Die Kathedrale Santa María de Regla, so heißt sie, ist die Bischofskirche des Bistums León. Die beeindruckende Frontfassade ist mit einem großen runden Fenster geschmückt, das macht es sehr besonders, finde ich. Drei große Portale mit schönen Steinarbeiten-Verzierungen bilden den Zugang. Die Holzarbeiten der riesigen Portaltüren sind detailgenau, fein verarbeitet und allesamt gut erhalten. 

Innen drinnen erwartet einen ein hohes Kirchenschiff mit vielen in schwindelerregender Höhe befindlichen bunten Glasfenstern. 

Der Altaraufsatz ist eher schlicht aber schön gehalten, dunkle Holzbänke laden zum in sich gehen ein. Das Altarbild selbst ist nett und dezent und zeigt mittig die Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass Maria hier viel mehr verehrt wird als Jesus selbst. Das ist bei uns ja schon anders. Oder aber es liegt einfach am Unterschied vom Katholischen und Evangelischen, kann auch sein. 

Es ist noch früh und somit ist nicht viel los in der Kathedrale, das ist wunderbar. Das Chorgestühl ist fein aus dunklem Holz gearbeitet und zeigt alle wichtigen Personen des alten Testamentes, von Moses bis hin zu König Salomo, der Weise, mit seinem schönen Text: Alles hat seine Zeit.

Auch hier befinden sich außerhalb des Mittelraumes diverse kleine Seitenkapellen. Eine dieser Seitenkapellen ist geöffnet und zeigt Maria, die den toten Jesus im Arm hält, also die Pietà (so ungefähr übersetzt aus dem italienischen: unsere Herrin vom Mitleid, die leidende Maria mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß). 

Weiter geht es in den Kreuzgang, der mit vielen Säulen und Heiligen-Statuen aufwartet. Es gibt wirklich viel zu sehen, aber ich fühle mich schon wieder k.o. Somit beschließe ich nach meinem Rundgang wieder zurück zur Wohnung zu gehen und zu pausieren. 

Toll, dass die jetzt so zentral liegt. Sabine ist noch auf Achse. Ich packe mich mal wieder ins Bett und sitze wenig später musikhörend und Kaffeetrinkend im pinken Wohnzimmer. 

Die Sonne, die heute etwas verhaltener am Start war kommt nun voll wieder raus und die Wolken machen einem strahlend blauen Himmel Platz. Einige Flugregularien müssen gemanagt werden und ich hoffe, dass morgen alles gut geht. Ein bissel Bammel hab ich schon, denn ich weiß nicht, ob es nicht doch Corona ist und ich womöglich Probleme bekommen könnte nach Hause zu kommen. Mittlerweile will ich einfach nur noch heim in mein Bett, in meine eigenen vier Wände, das muss ich jetzt mal sagen. 

Morgen früh fährt mein Bus nach Madrid, geschlagene vier Stunden dauert das. Zum Glück habe ich den Platz neben mir auch mit gebucht, das konnte man für einen relativ geringen Aufpreis machen. Nun muss nur noch der Husten die Klappe halten, sonst wird’s unangenehm. Aber was soll das Ganze sich sorgen, morgen ist morgen und heute ist heute. 

Ich mache mich nach dem Kaffee wieder auf in die Stadt und besuche die zweite sehenswerte Kirche, die San Isidro, sie liegt am anderen Ende der Altstadt direkt an der noch vorhandenen Stadtmauer. Es geht durch belebte Gassen. Die Pilger sind nun alle schon unterwegs, die neuen noch nicht da, aber viele allgemeine Touristen sind vor Ort und wie ich schon sagte, es ist Wochenende und es wird hier noch ordentlich Halligalli stattfinden. 

Ich erhoffe mir in der San Isidro einen Abschluss-Gebetsplatz zu ergattern. Die große Kirche ist schlicht und hübsch gestaltet, aber mir viel zu unruhig mit den vielen Leuten. Es gibt eine Seitenkapelle, da endet gerade ein Mittagsgottesdienst. Eine Nonne pustet die Kerzen aus und geht nach draußen. Wie wundervoll. Ich bin die einzige, die hier ist. Die Kapelle ist klein, nett und ruhig. Ich setze mich in einen der Bänke, schließe die Augen und lasse Revue passieren…

Da werde ich von einer Frau angesprochen, es ist die Nonne von eben, jetzt ohne Tracht. Sie teilt mir mit, dass die Kapelle jetzt schließt. Was? Was soll das denn? Warum das denn? Ja die ist nur zum Gottesdienst auf. Oh man, das nervt jetzt echt. Also dass sämtliche Kirchen hier vorzugsweise nur zum Gottesdienst geöffnet sind und nicht für den allgemeinen Gläubigen, der sich einfach mal in die Stille setzen und beten will, das finde ich echt doof und verstehe ich auch überhaupt nicht. Was soll das? Genervt stehe ich auf und lasse Gebet eben Gebet sein und gehe nach draußen. Dann eben nicht. Nix mit Gebet, nix mit Kerze anzünden, ist hier scheinbar schwierig in die Praxis umzusetzen. Die Kathedrale ist mir zu groß gewesen und der große Kirchenraum hier zu busy. Die Leute kommen ja nicht einfach nur rein und schauen sich schweigend die Kirche an, nein, sie müssen ja ununterbrochen irgendwas reden und das ist für die innere Einkehr nicht zuträglich, kannste abhaken. 

Martina, Sabine und ich treffen uns zum Mittagessen unweit der Kirche. Sabine hat hier ein nettes Restaurant ausgemacht, abseits der Touri-Ecken und schön draußen mit Wohnzimmer-Ambiente. Auch hier hat der Kellner scheinbar Probleme zu eruieren, welches Besteck wir brauchen und das Salz nicht schlecht wäre. Kann man nichts machen, wir amüsieren uns köstlich drüber. 

Ich bestelle mir zum Abschluss, denn es wird unser Abschlussessen sein, ein Steak mit Pommes, welches leider sehr fettig ist. Nun, ich schaffe es nicht ganz und wenig später wird mir davon auch übel. Ich nehme wirklich alles mit die letzten Tage hier in Spanien. Shit!

Wir machen ein gemeinsames Abschlussfoto am León-Schriftzug vor der nun im Sonnenschein und blauem Himmel leuchtenden Kathedrale und sitzen noch eine Weile gemeinsam rum und schnacken. Sabine und ich gehen alsbald zurück zur Wohnung, wir wollen uns später auf einen Drink mit Martina treffen. Mir ist so übel, dass ich mich übergeben muss, ich blicke es echt nicht mehr. Mit fahlem Gesicht hänge ich auf dem Sofa. Nun fängt Sabine an sich Sorgen um mich zu machen, ich muss echt krank aussehen. Wir unterhalten uns über unser Leben und so nach und nach verschwindet die Übelkeit auch wieder, so dass wir uns gegen Abend noch mit Martina zum Cocktail auf dem Plaza Mayor treffen können. 

Wir freuen uns, dass wir jetzt hier zusammensitzen. Für Martina und mich der Abschluss und für Sabine wird es morgen weitergehen. Sie hat so gar keine Lust dazu. Die Vorstellung nun wieder auf dem Weg zu sein, wieder neue Leute zu treffen, wieder die eigene Geschichte zu erzählen, immer wieder neu. Sie würde am liebsten auch nach Hause zu ihrem Freund fahren. Sie meinte auch selbst, dass sie es wohl auch eher so gemacht hätte wie ich und in Etappen gelaufen wäre, es ist schon ein langer Weg von Belfort nach Santiago. Ich kann das verstehen. Mir reichen die drei Wochen auch immer, denn dann ist meine Birne voll mit Eindrücken, mehr kann ich gar nicht stemmen und so geht viel Begeisterung und Interesse nach einer Weile verloren. Nun, ich rede ihr gut zu, meine, dass das jetzt ganz normal ist, dass sie solche Gefühle hat, aber es wird auch wieder gut werden. Und letztendlich wird sie ihren Weg nach Santiago machen. Ihr Freund wird sie vor der Kathedrale dann abholen und sie werden noch ein paar Tage am Meer, am Ende der Welt, am Kap Finisterre verbringen. So sei es.

Die Cocktails sind totale Grotte, sowas habe ich auch noch nicht erlebt. Ich habe mich so auf die Piña Colada gefreut, aber ich weiß nicht was das ist, eine Colada ist es jedenfalls nicht und so lasse ich sie zurückgehen. Die beiden schauen mich erstaunt an, aber da kenne ich nichts, auch nicht in Spanien. Dafür bezahle ich kein Geld, das ist eine Farce. Ich bestelle mir eine Caipirinha, in der Hoffnung, dass man hier nicht viel falsch machen kann, aber Irrtum. Sie ist auch nicht der Hit. Nun ich belasse es jetzt einfach mal dabei. Die anfänglich reizende nette Kellnerin ist nicht mehr so reizend, da sie genervt ist, aber ich sage ihr schlicht und einfach, dass das alle nichts ist. Vielleicht auch einfach Touristenabzocke, mich nervt sowas. 

Während wir hier sitzen kommen Unmengen an Menschen an uns vorbei, viele schon in Feierstimmung. Frauen in schicken Kleidern, Jugendliche in knappen Pants, junge Männer in weißen Hemden oder Muscle-Shirts. Manch einer ist mit lustigen Klamotten verkleidet. Da kommt ein Scheich in weißem Scheichumhang mit seinem Gefolge an uns vorbei, ist der echt? Hmm. Wenig später, als wir uns mit langer Umarmung von Martina verabschieden und zu unserer Wohnung zurückgehen, merken wir, nee ist nicht echt. Der Scheich wohnt bei uns im Hause mit seiner ganzen feiernden Sippschaft einen Stock unter uns. Laut brüllend und grölend stehen sie vor der Tür und später in der Wohnung. Ich bekomme echt eine Krise, na das kann ja eine Nacht werden. Hier im jüdischen Viertel ist nun auch jede Bar geöffnet und es wird gefeiert bis spät in die Nacht bzw. bis früh in den Morgen. Nun zum Glück gibt‘s Ohrstöpsel und Schlaftabletten, somit klappt es dann doch mit dem Schlafen in der Nacht, meine letzte Nacht hier in Spanien für dieses Mal. 

Und gibt es ein Fazit? Ich bin nun durch Deutschland, die Schweiz, Frankreich und jetzt hier durch Spanien gepilgert. Jedes Land war anders und hatte seine Besonderheiten. Natürlich war es einfacher von der Sprache her in Deutschland und der Schweiz, später dann zwei Jahre durch das wunderschöne Frankreich mit viel, viel französisch. Die Freude jetzt Multikulti um mich zu haben und mich auf deutsch und englisch zu verständigen, ist groß. Mein Pilgern hier in Spanien war nun so ganz anders als in den Ländern davor, denn es sind viel mehr Pilger zugegen als, glaube ich, in allen drei anderen Ländern zusammen genommen. Selbst die Via Podiensis, die ja schon belebter war ab Le Puy, ist da ein Witz gegen. Hat sicher auch mit Corona zu tun, denn ich bin ja in Coronazeiten durch Frankreich gewandert. Nun ist alles aufgehoben, vorerst, und alle sind unterwegs. Somit werde ich es im nächsten Jahr anders gestalten, das ist schon mal klar. Ich habe nun meine Erfahrungen hier gemacht und weiß wo der Hase langläuft, sozusagen. 

Irgendwie liegt mir die spanische Mentalität auch weniger, habe ich im Gefühl. Vielleicht liegt es aber eben auch daran, dass viele einfach überfordert sind mit den vielen Pilgern, das kann natürlich auch sein. Aber ich habe wirklich viele Spanier als unfreundlich wahrgenommen. Sie lassen einen mitunter einfach stehen und beachten einen nicht, anfangs wurde ja auf mein spanisch auch mit englisch geantwortet, das fand ich auch nicht gut. Naja und halt das doch sehr häufige Gefühl von Abzocke ist schon auch mit dabei. Das kann sicher daran liegen dass hier eben so viel los ist, gibt aber eben kein schönes Gefühl. Das habe ich in keinen der anderen Länder so erlebt, das muss ich jetzt einfach mal so sagen. 

Trotz alledem möchte ich meinen Weg fortsetzen und will in Santiago ankommen. Die Landschaft selbst hat mir auch im Besonderen jetzt im Frühling gut gefallen, kann aber mit Frankreich nicht mithalten. Gut vielleicht sollte man das Vergleichen auch einfach sein lassen. Die Pyrenäen waren natürlich ein Highlight, na und die Meseta Kult, ganz klar. Auch die großen Städte haben mir gefallen, das spanische Flair, die spanische Lebensart. Ich freue mich aber auch, wenn es dann hoffentlich im nächsten Jahr wieder etwas abwechslungsreicher wird mit den Bergen und so, Meseta ist dann auch mal gut jetzt. Wundervoll fand ich, dass ich abends nicht alleine sitzen musste und doch meistens nette Leute um mich hatte, mit denen ich mich austauschen konnte. Das war nach der langen französischen Zeit eine Wohltat. Mit diesen Abschlussgedanken falle ich nun in meinen wohlverdienten Schlaf. 

3.6.2022

León nach Lüneburg

Sabine und ich frühstücken zusammen. Mein Bus geht erst um 8.15 Uhr und sie will heute eh nicht so weit gehen, somit haben wir Zeit. Lecker Kaffee und frisch getoastetes Toast mit Chorizo und „la vache qui rit“-Käse als Unterlage, lecker. Ich mache mir noch ein paar Sandwiches für den Weg und so machen wir uns auf. Der Schlüssel soll im Briefkasten deponiert werden und wir treten aus dem Haus. Ruhig ist es geworden so früh am Samstagmorgen. Vereinzeln gehen noch ein paar ziemlich fertig aussehende Partygäste durch die Gassen, welche nun unendlich vermüllt sind. Aber der Reinigungsdienst ist schon voll im Gange. Sabine und ich verabschieden uns mit einer langen Umarmung und einen „buen camino“ meinerseits an sie gerichtet. Sie verschwindet ums Eck.

Ich selbst schlage nun die Richtung zum Busbahnhof ein. Hier wird mein Alsa-Bus, das sind die spanischen Busse, abfahren. Meine Komoot App leitet mich durch die Stadt, da kommt mir Ingvild, die Norwegerin über den Weg gelaufen. Wir schnacken kurz und verabschieden uns, dann geht es über den Fluss und rüber zum Bahnhof. 

Mein Bus ist schnell ausgemacht und ich steige ein. Mir geht es heute Gott sei Dank besser, somit sollte meiner Heimreise doch nichts im Wege stehen, die Angst nicht wegzukommen ist aber noch da. Die Fahrt ist lang, geht durch die spanische Meseta, welche ja riesig ist. Kurz vor Madrid verläuft in Ost-West-Richtung das Iberische Scheidegebirge (Sistema Central). Mitten in der platten ereignislosen Landschaft kommt das beeindruckende Gebirge in Sicht, welches Höhen von 2500 m aufweist und die Meseta in einen nördlichen und einen südlichen Teil teilt. Sieht klasse aus.

Mitten in der Fahrt bekomme ich aber leider auch einen Hustenanfall, der sich gewaschen hat. Oh shit! Schnell stecke ich mir einen Bonbon in den Mund, der das ganze aber noch schlechter macht, die Tränen laufen mir die Wangen runter. Bitte mach, dass das jetzt aufhört! Grr, was für ein scheiß, aber der Hustenreiz lässt mit einem schönen Chorizo-Sandwich dann auch nach. Zum Glück ist der Bus nicht voll und keiner beachtet mich weiter. 

Nach langer Fahrt kommen wir sogar früher an, als gedacht, das ist doch mal toll. So waren meine Gedanken bezüglich der spanischen Pünktlichkeit keine guten gewesen, aber man soll sich doch immer wieder täuschen und wird positiv überrascht. Der Flughafen ist groß und somit ist Umsteigen in einen weiteren Bus vonnöten, der brechend voll ist, uns aber alsbald am Terminal absetzt. 

Auch der Check in ist kein Problem. Ich befinde mich auch schon im Abflugterminal, als die ersten Verspätungsanzeigen meiner Lufthansa-Maschine auftauchen. Nun, irgendwann kommen zwei hektische Engländerinnen vorbei, die mir mitteilen, dass der Flug annulliert wurde. Oh nein, das kann jetzt nicht wahr sein. Meine anfängliche Ruhe ist dahin und wir suchen nun zu Dritt irgendwo einen Counter, wo wir weitere Informationen bekommen könnten. Als wir fündig werden lotst die Dame uns zu einem weiteren Counter, wo wir nun unser Gepäck wieder abholen sollen, das dauert ewig und da ich mittlerweile einen Gegenvorschlag via Mail erhalte, mit Air Portugal über Lissabon zu fliegen, wo ich eigentlich nicht hin wollte, werde ich zeitlich nervös. Mir fliegen sozusagen die Fälle davon und ich entscheide mich mich aus der Gepäckschlange zu lösen und nun wieder den Abflugterminal zu verlassen und mich bei Air Portugal anzustellen. Der Herr versichert mir, dass mein Gepäck weitergeleitet wird. 

Nun wird alles also etwas länger dauern, kann man nichts machen, ich werde wieder ruhig. Zum Glück geht es mir heute besser. Leider ist auch dieser Flug verspätet und so wird das Ganze zu einer Odyssee, ich könnte brechen. Irgendwann kommen wir nun doch in Lissabon an, eigentlich die komplett entgegen gesetzte Richtung, kann man nichts machen!

Nun, dann habe ich also noch mal das Meer gesehen, ist ja auch schön. Mit aller Verspätung sitze ich nun im zweiten Flieger nach Hamburg, neben mir sitzt ein älterer Herr, wir kommen ins Gespräch, das macht das ganze etwas kurzweiliger. Eine tolle Liste mit warmen Mahlzeiten befindet sich vor mir im Fach, ich suche mir was Feines aus, habe nun echt nach der ganzen Reise, die ich ja jetzt schon hinter mir habe, Kohldampf. Aber nein, es gibt nichts. Ein letztes blödes Bocadillo muss herhalten und vor allem ein Bier. Damit wird die Stimmung wieder etwas angehoben und entspannter. So langsam bin ich echt im Eimer. Zum Glück kam kein Husten mehr ums Eck und auch meine Nase spielte gut mit. Die Sonne macht sich nun bereit unterzugehen, hmm!

Endlich in Hamburg angekommen, es ist schon dunkel draußen und sowieso ja auch schon kurz vor Mitternacht, ist mir klar, dass das mit dem nach Hause kommen nichts wird. Ich stehe nun ewig am Kofferband und auch hier ist mir schon im vornherein klar, dass das mit dem Transport bestimmt nicht geklappt hat. 

Ich bleibe als letzte zurück, keiner mehr da, mein Rucksack auch nicht. Um mich rum stehen hunderte von herrenlosen Koffern. Erst Tage später bekomme ich mit, dass die Vollkatastrophe auf dem Hamburger Flughafen Einzug gehalten hat und ganz viele Koffer ihre Besitzer nicht bekommen haben. Sie lagern jetzt hier und werden täglich mehr, da es kein Personal gibt, welches sich darum kümmern kann. Aufgrund der massenhaften Entlassungen in Coronazeiten ist nun keiner mehr da. Jetzt zu Pfingsten fängt das mit den Problemen schon an und sollte dann in der Ferien-Reisezeit mit diversen Annullierungen der Flüge (und im besonderen tausenden Lufthansa-Flügen) und ewigen Wartezeiten in Warteschlangen so weitergehen. Man hat sich halt nicht frühzeitig um Personal bemüht und nun haben wir den Salat. Da denke ich immer, dass in südlichen Ländern die Dinge nicht so funktionieren könnten oder aber die Pünktlichkeit nicht so ernst genommen wird, und muss doch feststellen, dass die Qualität und Pünktlichkeit, die wir hier in Deutschland mal hatten passé ist. Die gute deutsche Wertarbeit und Pünktlichkeit, kannste alles abhaken und da laufen uns Länder wie Frankreich (wo ich auch ja schon ähnliche Gedanken hatte) und Spanien den Rang ab. Traurig, aber wahr!

Meine Ruhe ist schon lange dahin, als ich dann irgendwann am S-Bahnhof auf einen S-Bahn-Fahrer treffe, der mir mitteilt, dass keine S-Bahn mehr zum Hauptbahnhof fährt. Ich steh da so und fühle mich komplett hilflos, was mach ich jetzt? Es nützt ja alles nichts, ich will nach Hause und gehe zum Taxistand, hoffe, dass einer mich den langen Weg nach Hause fährt, was dann auch kein Problem ist. 

Nach einer geschlagenen Stunde und 170 Euro weniger im Portemonnaie stehe ich endlich mitten in der Nacht um 1 vor meiner Haustüre. 100000 Steine fallen mir vom Herzen, endlich, endlich zu Hause angekommen. Ich trete ein und falle kurz danach ins Koma. 

Tja, der Camino zeigt doch immer wieder: Gute Zeiten, schlechte Zeiten, Sonne und Regen (wobei ich den ja nun nicht hatte, Gott sei Dank), schön und doof. Alles mit dabei, so wie eben im wirklichen Leben. Aber am Ende, am Ende wird es doch immer wieder gut :-)

Nachtrag:

Mein am nächsten Tag folgender Coronatest war positiv. Unser Revival mit der ganzen Familie am Pfingstsonntag musste für mich also ausfallen. Meinem Vater geht es wieder besser und dass wir überhaupt jemals wieder gemeinsam draußen im Garten beim Grillen sitzen können (wir vertagten das dann nochmal auf später), war unklar und ist nun aber doch tatsächlich eingetreten und ein absoluter Segen.

Ich teilte allen meinen weitergegangenen Mitpilgern via What’s app mit, das ich Covid positiv bin, damit sie Bescheid wissen, aber keiner hat sich was weggeholt, da bin ich auch sehr dankbar für.

Sie alle sind in Santiago de Compostela angekommen und ich habe noch einige Nachrichten und schöne Bilder von Sabine, Andreas, Joachim, Matthias, Inken, Bev und Dee erhalten. Martina hat ihren Fuß auskuriert, zum Glück war es kein Ermüdungsbruch gewesen, was ja auch so ein bissel im Raume stand. Nun ist sie wieder in ihrer Heimat wandernd unterwegs, wie schön. Und ich brauchte noch eine Weile bis ich wieder fit wurde nach meiner Corona-Erkrankung.     

Meinen Rucksack bekam ich dann nach geschlagenen zwei Wochen wieder zurück. Ich musste aber eigenständig zum Flughafen fahren und mich in einem bereitgestellten großen Hangar, der voll war mit tausenden Koffern, Taschen und Rucksäcken, selbst auf die Suche begeben. Eines ist mir klar, der nächste Flug geht nur noch mit Handgepäck. Wäre alles nicht so schlimm gewesen, wenn ich den nicht mehr zurück bekommen hätte, aber ich hatte meine ganzen Aufzeichnungen mit da drinnen, schön blöd, passiert mir auch nicht nochmal. Also merke: Nie megawichtiges im Aufgabe-Gepäck lassen! Die Lufthansa hat sich nach langer Zeit bereiterklärt für alle Kosten, die ich durch den Schlamassel hatte, aufzukommen, schön!

So gehe ich wieder zurück in meinen Alltag, Ein anderer ist es aufgrund der Situation mit meinem Vater geworden, das Leben hat sich verändert, nicht nur für ihn, sondern auch für uns, aber irgendwie geht es immer weiter und vieles ist ja auch schon gut geworden. Leider hat sich mein Hüftschmerz als Arthrose herausgestellt und es macht etwas bange, ob ich überhaupt nächstes Jahr weitergehen kann, aber ich will unbedingt. Wie blöd wäre dass denn, wenn ich den ganzen Weg von Lüneburg nach León gelaufen wäre und den letzten Abschnitt nach Santiago nicht mehr schaffe? Nee, das geht gar nicht! Nun das ist aber natürlich eine andere Geschichte, die ein anderes Mal erzählt wird. Wer weiß schon was das Leben bereithält?

Ich begehe meinen Alltag wieder gemeinsam mit Jesus und nicht mehr allein auf mich gestellt, das ist wunderbar und ein Segen. 

 

Der HERR segne dich

und behüte dich;

der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

4 Mose 6,24-26

 

Amen